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Faszinierendes Indonesien - Teil 1: Sulawesi

Exakt zwei Jahre nachdem wir uns dort kennengelernt haben, waren wir im Herbst 2019 erneut in Indonesien, genauer auf Sulawesi und Flores. Neben diversen Aktivitäten erfuhren wir eine Menge über die vielseitigen Kulturen, die im weltgrößten Inselstaat aufeinandertreffen. Lest im ersten Teil wie wir auf Sulawesi Gäste einer ausschweifenden Begräbniszeremonie waren, mit wilden Wassern gewaschen wurden, einen schwefeligen Vulkan besuchten und noch so vieles mehr...

Bei der Reise handelte es sich um die Pilotreise unseres Freunds und Reiseleiters Falko Flämig, der uns schon mit seiner Bali/Lombok-Reise verzaubert hatte. Entsprechend hoch waren natürlich unsere Erwartungen. Ein wenig skeptisch waren wir vorab allerdings schon ob der drei Inlandsflüge und des mit 2 von 5 relativ geringen Schwierigkeits-, und dementsprechend wohl auch Aktivitätsgrads. Etwas Pech kam obendrein dazu, aber dazu später mehr.

Gestartet sind wir am Sonntag, den 20. Oktober in Frankfurt. Angereist waren wir jedoch bereits am Tag zuvor, um noch mit unserem Kumpel Martin ein kleines Frankfurt-Sightseeing samt leckerem Abendessen und anschließendem Besuch einer Cocktail-Bar vornedran zu hängen.

 

Nach einem schnellen Kaffee auf dem Hotelzimmer schlenderten wir am Morgen danach gemütlich zum Check-In, um unsere Koffer abzugeben und am Gate zu frühstücken. Noch vor dem Start gab es ein freudiges Wiedersehen mit Sabine und Beate, zwei Mitreisenden aus Dresden, die ebenfalls 2017 mit dabei waren. Wir tauschten amüsiert gegenseitige Reiseerlebnisse aus, bis wir beim Boarding kurzzeitig getrennt wurden, da die beiden Sitze im Oberdeck des A380 hatten, wir dagegen im Unterdeck. Beim Zwischenstopp in Singapur trafen wir auf weitere Reiseteilnehmer und flogen auf der zweiten Etappe weiter bis Manado.

Abwechslungsreiches Nordsulawesi


Am frühen Vormittag trafen wir am Flughafen der mehrheitlich der Volksgruppe der Minahasa zugehörigen Einwohnern bewohnten Stadt ein. Nach einem herzlichen Wiedersehen mit Falko lernten wir auch den Rest der Gruppe, sowie unser phantastisches Reisegefährt für die längeren Transfers innerhalb von Nordsulawesi kennen: einen original indonesischen Linienbus, dessen bunte Bemalung auf charmante Art und Weise versuchte, über das hohe Alter des klapprigen Kastens hinwegzutäuschen. Wir waren sofort hellauf begeistert. Für Nordsulawesi hatte sich Falko zudem Verstärkung in Form von Michael Leitzinger (lebt seit über 20 Jahren in Indonesien) und seiner Frau Silvana Liuw, einer gebürtigen Indonesierin, geholt. Ein durch und durch sympathisches Paar, das für die nächsten Tage als lokale Guides fungierte.

Nach kurzem Zwischenstopp beim nächstbesten Supermarkt für ein erstes kühles, indonesisches Kultbier "Bintang" fuhren wir zum Hafen, um per Charterboot auf die bei Tauchern beliebte Insel Bunaken überzusetzen. Vorher schnell noch Geld am Automaten gezogen: Endlich wieder Millionäre. Auf Bunaken bewohnten wir im Panorama Dive Resort für eine Nacht einen luxuriösen, zweistöckigen Bungalow mit riesigem Himmelbett und einem Bad, das einem Tanzpalast glich. Wir trafen am frühen Abend auf dem Eiland ein und wurden für die Strapazen der Anreise mit einem wundervollen Sonnenuntergang belohnt. Nach dem Abendessen saßen wir nur noch kurz gemeinsam zusammen. Falko versuchte, unserer von der Anreise geschlauchten Truppe die wichtigsten Infos für die ersten Tage mitzugeben, bevor alle hundemüde in die Betten krochen.

Schnorcheln in "Turtle City"

Foto: Falko Flämig
Foto: Falko Flämig

Nach dem Frühstück ging es raus zur nahegelegenen Riffkante, wo wir an zwei Stellen ins Wasser gingen. Die beeindruckende Unterwasserwelt, die sich uns bot, war das beste Schnorchelerlebnis, dass wir je erleben durften. Zum einen wimmelte es an der senkrecht abfallenden Kante nur so von den verschiedensten bunten Fischen - und das in einer für bislang unvorstellbaren Anzahl. Zum anderen durften wir eine überraschend große Anzahl Meeresschildkröten beobachten, wie sie majestätisch durchs Wasser "flogen". Ein wenig beneideten wir ja schon die Taucher vor Ort, die sich das alles noch deutlich genauer ansehen konnten. Die farbenfrohe Korallenwelt erschien uns noch richtig gesund und intakt, was heutzutage ja leider selten geworden ist. Wir hätten gerne den ganzen Tag hier bleiben können.

Zum Mittagessen - es gab leckeren fangfrischen Fisch - mussten wir jedoch zwangsweise wieder zurück sein, um anschließend direkt unsere Sachen zu packen. Denn am frühen Nachmittag verließen wir dieses Paradies schon wieder wehmütig Richtung Festland. Trotzdem möchten wir den kurzen, aber intensiven Besuch der Insel auf gar keinen Fall missen. Am Hafen von Manado wartete bereits unser bunter Superbus, um uns ins 750 Meter hoch gelegene Tomohon zu bringen. Die dortige, ebenfalls wunderschöne Unterkunft am Rande eines Reisfelds, das Wale Wanambawa, hatte gerade neu eröffnet. Wir waren somit die allerersten Gäste überhaupt - ein besonderes Gefühl. Die Betreiber waren entsprechend nervös. Sie hießen uns mit einem leckeren Buffet zum Abendessen herzlich willkommen. Nach dem Festmahl ließen wir den Tag gemütlich auf der Terrasse ausklingen.

Schwefelige Schwaden...

Um halb sechs gab es Frühstück, da wir bereits eine Stunde später zu den Zwillingsvulkanen Lokon und Empung aufbrechen wollten. Mit drei Minibussen fuhren wir zum Startpunkt. Unser Ziel: der aktive Tompaluan-Krater auf dem Sattel zwischen den beiden Erhebungen. Nach kurzem Fußweg durch den Dschungel erreichten wir ein ausgetrocknetes Flussbett aus Lavagestein, das wir hinauf mussten. Der Boden war vom Wasser teilweise so glatt poliert, dass wir uns in einer riesigen Rutsche wähnten. Entsprechend anspruchsvoll waren manche Stellen zu erklimmen.

Auf rund 1100 Metern angekommen ging es über ein Geröllfeld die letzten Höhenmeter nach oben zum Kraterrand. In diesem war deutlich eine schwefelig-gelbe Stelle auszumachen, aus der dichter Wasserdampf emporstieg - ein faszinierendes Schauspiel. Der Vulkan ist einer der aktivsten der Insel, wird aber liebevoll als der "alte Mann" bezeichnet, da sich Ausbrüche in der Regel bis zu einem Tag vorher ankündigen. Ganz im Gegensatz zum "Krieger", dem Soputan, dessen Eruptionen oft sehr spontan passieren und der daher auch gesperrt war und nicht zum Besteigen in Frage kam. Ebenfalls gut zu erkennen waren die verschiedenen Gesteinsschichten. Generell stellten wir einmal mehr fest, wie sehr es uns Vulkane angetan hatten, da jeder auf seine Weise einzigartig ist. Der anschließende Abstieg führte uns dieselbe steinerne Bobbahn hinab, über die wir gekommen waren. Stellenweise konnten wir währenddessen einen fantastischen Blick ins Tal genießen.

...und faule Eier

Unten angekommen tuckerten wir mit unseren Bussen zur vulkanologischen Überwachungsstation Tomohons, die sich allerdings gerade im Umbau befand. Deshalb gab es nicht wahnsinnig viel zu sehen. Überall in Indonesien finden sich derartige Stationen, gibt es doch auch eine Vielzahl von Vulkanen auf dem sogenannten Feuerring. Teils wirkte das Equipment auf uns arg archaisch, doch soll das nicht die Wichtigkeit der Arbeit untergraben, die dort geleistet wird.

 

Nach einem Mittagessen in einem typisch indonesischen Lokal mit *hüstel* landestypischer Musikuntermalung -  setzten wir unseren Tag im Zeichen der Vulkane fort und fuhren zum Danau Linow, einem See vulkanischen Ursprungs, an dessen Seite einige heiße Schwefel- und Schlammlöcher zu erkunden waren. Nachdem wir eine - sicherlich TÜV-geprüfte - Bambuskonstruktion überquerten, vernahmen wir einen intensiven, nahezu unerträglichen Geruch nach faulen Eiern. Teilweise kochten die Becken regelrecht und der Boden dampfte merklich. Wir mussten überall höllisch aufpassen, wo wir hintraten. Mit den grünen Reisfeldern und dem blauen Himmel im Hintergrund ergab sich ein intensives Farbspiel. Ohne Frage ein sehr abgefahrenes Erlebnis.

Auf dem anschließenden Heimweg machten wir noch einen Zwischenstopp in Elmonts Kaffee-Rösterei, einem "Hipster-Café" wie wir es an diesem Ort sicher nicht erwartet hatten. Der junge Chef höchstpersönlich zelebriert hier den Kaffeegenuss und die (in unserem Fall unbedarften) Gäste durften aus einer Vielzahl von Zubereitungsarten und Sorten wählen. Fürs spätere Abendessen spazierten wir vom Wale Wanambawa einen guten Kilometer ins benachbarte Dorf zum Pesona Alam, wo auch Falko residierte, da in unserer Unterkunft leider kein Platz mehr für ihn war.

Radtour durch die Caldera

Am nächsten Tag fuhren wir nach dem Frühstück etwa eine Stunde bis zur Nordspitze des Danau Tondano, dem zweitgrößten Kratersee Indonesiens, in den gleichnamigen Ort. Beim dortigen Fahrradverleih nahmen wir unsere Drahtesel entgegen und brachen in Begleitung zweier Guides zu einer gemütlichen, rund 30 Kilometer langen Radtour entlang des östlichen Seeufers auf. Wir passierten zahlreiche kleine Dörfer und genossen immer wieder herrliche Ausblicke auf die riesige Tondano-Caldera. Unterwegs besuchten wir die älteste Kirche der Region - Nord-Sulawesi ist vorwiegend protestantisch, der Rest der Insel eher islamisch geprägt - und besichtigten im Örtchen Eris eine beachtlich dimensionierte Fischzucht. In zahllosen mit Netzen abgetrennten Becken, verbunden über eine endlose Bambus-Konstruktion, wurden die Fische gehalten. Da passte es natürlich prima, dass wir an der Südspitze des Sees im Ba Sombar einkehrten, einem landestypischen Fischlokal.

Vom Timing genau richtig, wurde das Mittagessen doch von einem kurzen, aber heftigen Regenguss begleitet, der laut auf das Blechdach trommelte. Leider fiel auch das Ende der Tour in Langowan gehörig ins Wasser, weshalb wir den Ort nicht mehr näher erkunden konnten. Stattdessen fuhren wir mit den Bussen zurück in die Unterkunft und gingen erst mal heiß duschen. Im Video haben wir unkommentiert einige Eindrücke der Fahrt zusammengeschnitten.

Am Abend stand noch ein Kochkurs auf dem Programm. Unter Anleitung von Silvana und ihrem indonesischen Team halfen wir beim Zubereiten lokaler Minahasa-Köstlichkeiten. Wir verpackten mit spezieller Falttechnik kleine Reisportionen in Blätter - quasi eine Art Bio-Kochbeutel, schnippelten Gemüse und Fleisch klein und füllten damit Bambus-Rohre. Der Inhalt wurde anschließend neben dem offenen Feuer gegart. Außerdem bereiteten wir Spieße und Fisch zum Grillen vor. Nach rund drei Stunden hatten wir gemeinsam ein leckeres Buffet gezaubert und wie auf einem einheimischen Fest ging es ans Essen und Feiern. Ein wundervolles Erlebnis!

Rafting-Abenteuer in eindrucksvoller Kulisse

Am nächsten Morgen fuhren wir mit den Bussen vorbei an einem engen Straßenmarkt und Reisfeldern nach Timbukar zum nächsten Abenteuer: eine Rafting-Tour mit Karapi Rafting bei herrlichem Sonnenschein stand auf dem Programm. Was uns schon die letzten Tage und auch auf der heutigen Fahrt immer wieder auffiel: die teils direkt neben die Straße gesetzten Gräber. Manchmal vereinzelt, oft aber auch wie zufällig und ziemlich chaotisch zusammengewürfelte Friedhöfe. Irgendwie ein ziemlich kurioser Anblick.

Am Ziel angekommen, erhielten wir zunächst unsere Ausrüstung (Helm, Paddel, Schwimmweste) und eine kurze Einweisung. Insbesondere die Kommandos "Boom" (am Halteseil festhalten) und "Boom Boom" (vom Rand runter ins Innere setzen und sich festhalten) machten uns doch ein klein wenig nervös. Anschließend ging es in Gruppen von drei bis vier Personen (plus zwei Guides) in die Schlauchboote. Wir durften als Erste starten, was angesichts einer unversperrten Sicht auf die herrliche Natur für Bernds Helmkamera ein großer Vorteil war. Trotz Regens am Vortag führte der Fluss nicht allzu viel Wasser,

wirkte auf uns Neulinge aber dennoch bedrohlich genug. Schon bei den ersten kleinen Hindernissen fragten wir uns, wie zum Henker wir da wohl lebend vorbeikommen sollten. Insgesamt gab es zwei Abschnitte von je einer guten halben Stunde zu bewältigen. Schnell hatten wir den Dreh raus und begriffen zudem, dass die stabilen Boote selbst über größere Absätze recht sanft hinweg glitten. Hin und wieder blieben wir stecken und mussten uns gemeinsam mit den Guides losruckeln.

 

Auch in ruhigeren Passagen hatten wir eine Menge Spaß. So wurde manch ein Insasse per Wasser aus dem Helm des Guides getauft oder kleine Wasserschlachten per Paddel zwischen den Gruppen geführt. Richtig fies auch: Während wir verträumt in die wundervolle Landschaft blickten, klatschte unser Guide heftig mit seinem Ruder aufs Wasser. Außerdem ließ er uns am Zwischenstopp rückwärts paddeln. Während wir noch über den Grund grübelten, liefen wir - natürlich absichtlich - mit voller Wucht auf einen Felsen. Was ein Schreck! Aber auch verdammt lustig. Ein paar Highlights der ersten Hälfte haben wir unkommentiert im Video für euch zusammengeschnitten. Bei der zweiten Etappe hatte sich leider die Kamera-Software zwischendurch verabschiedet und das Video nicht gespeichert.

Am Etappenziel angekommen stiegen wir auf die Ladeflächen zweier museumsreifer Pritschenwagen um, wovon einer ein ganz besonderes Feature aufwies: Der improvisierte Tank bestand lediglich aus einem direkt im Fußraum untergebrachten Kanister, der mit einem Schlauch angeschlossen war. Achja, und wer braucht schon Profil auf den Reifen? Auf der kurzen Fahrt passierten wir eine nicht weniger museumsreife Brücke und hielten anschließend an einem idyllisch gelegenen Wasserfall, bei dem außer einer kleinen Gruppe Indonesier niemand weiter war. Was folgte war herrlicher Badespaß samt Klettern und Klippenspringen. Zudem durften wir uns mit frischen Kokosnüssen stärken, bevor wir zu Fuß die kurze Strecke zurück zu den Booten spazierten und die zweite Rafting-Etappe antraten.

 

Die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Wir konnten mehrere farbenprächtige Eisvögel betrachten, die durch die Schneise im Dschungel flogen. Wie schon vor zwei Jahren mussten wir erneut feststellen, dass die deutsche Sprache nicht genügend unterschiedliche Grüntöne kennt, um diese Umgebung auch nur im Ansatz beschreiben zu können. Der zweite Fluss-Abschnitt war noch anspruchsvoller, mit Absätzen von bis zu einem Meter Höhe. Doch auch die waren mit den stabilen, gut gepolsterten Booten problemlos zu meistern. Wir erreichten viel zu schnell das Ziel, von wo wir per Bus zum Startpunkt zurückgebracht wurden. Dort begossen wir unsere Jungfernfahrt erst mal mit einem kühlen Siegerbier.

Mondschein am Mittag

Zur Stärkung ging es bei strömendem Regen ins RM Clara, wo uns ein gut gelaunter älterer Herr mit einem knallgelben Schirm über die vielbefahrene Straße lotste. Am Eingang stand "Tamu Wajib Lapar", übersetzt so viel wie "Gäste müssen hungrig sein" (in Anlehnung an "Tamu Wajib Lapor", was an jedem Dorfeingang stand und bedeutet "Gäste müssen sich [beim Ortsvorsteher] melden", bevor sie ein paar Nächte im Dorf verweilen dürfen). Mit europäischen Geschmacksnerven bekam der Spruch eine ganz eigene Note... Warum? In dem gut besuchten Restaurant gab es für unsere Gewohnheiten teils sehr befremdliche Speisen wie Fledermaus (möglicherweise war es auch Flughund), Python und sogar... jetzt müsst ihr besonders stark sein... Hund.


Aus gutem Grund standen Michael und Silvana als Hilfe am Buffet bereit, damit niemand bei der Auswahl unfreiwillig daneben griff. Ihr wollt es sicher wissen, oder? Da ohnehin alles intensiv gewürzt war, können wir über den puren Geschmack wenig sagen. Vom Prinzip her war aber für unsere Gaumen nichts aus dieser speziellen Auswahl ein kulinarisches Highlight.

Foto: Falko Flämig
Foto: Falko Flämig

Während der Rest der Gruppe schon zum ersten Gang nach drinnen verschwunden war, blieben wir noch kurz an unserem Platz im überdachten Außenbereich sitzen. Plötzlich stellte der vermeintliche Chef des Ladens eine Flasche Jack Daniel's, deren Etikett schwarz überklebt war, samt zwei Schnapsgläsern auf unseren Tisch. Darin befand sich eine klare, hochprozentige Flüssigkeit. Allem Anschein nach Moonshine, also Schwarzgebrannter. Sofort schossen uns Berichte aus der Presse über erblindete Touristen in den Kopf, während uns der Spender, sowie die einheimischen Gäste um uns herum erwartungsvoll angrinsten. Ablehnen erschien unter diesen Umständen eine äußerst unhöfliche Option zu sein, also probierten wir einfach unser Glück.

Brannte ordentlich, war ansonsten aber gar nicht mal schlecht. Im Laufe des Essens leerten wir gemeinsam mit der Gruppe auch den Rest der Flasche. Alle konnten danach noch sehen, also alles gut. Später am Tag sollten wir sämtliche Details über die Herstellung erfahren, was uns bis dahin aber noch nicht bewusst war.


Heißes Bad bei 30 Grad? Voll Porno!

Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und wir fuhren ein kleines Stückchen weiter zu zwei Seen, die aus heißen Quellen gespeist wurden, in der Nähe von Langowan. Der größere von beiden schimmerte türkisblau. Schwaden heißen Wasserdampfs sorgten für einen mystischen Anblick, gaben bei einer Außentemperatur um die 30 Grad Celsius aber auch klar zu verstehen, dass wir bei einem Bad hier eher gegart werden dürften. Gleich daneben lag ein etwas kleineres, tiefgrünes Gewässer mit angenehmer Badewannen-Temperatur. Bei der Umgebungswärme zwar auch schon fast zu warm, aber trotzdem herrlich entspannend. Außer unserer Gruppe waren noch ein paar einheimische Jungs im Wasser, die anschließend - für Indonesien alles andere als untypisch - zu dritt auf einem Roller davonfuhren.

Nach dem Plantschen ging die Fahrt an einem schönen Aussichtspunkt mit Blick auf den Lokon vorbei und weiter bis zu einem unscheinbaren Feldweg, der direkt in den Dschungel zu führen schien. Wir wurden instruiert unsere Stirnlampen mitzunehmen, da es ja auch bald dunkel werden würde, erfuhren aber sonst keine weiteren Details. Was würde uns erwarten? Eine Höhle vielleicht? Nach einem kurzen Fußmarsch fanden wir uns plötzlich mitten in einem "Porno" wieder. Keine Panik, das soll jetzt weder Clickbait sein, noch erwarten euch nackte Tatsachen. "Porno" war schlichtweg der hiesige Begriff für eine Schwarzbrennerei.

Der Betreiber mit Spitznamen Rudi zeigte uns voller Stolz seine selbstgebaute Destille aus Bambusrohren und einer alten Metalltonne als Brennofen. Wir begleiteten ihn zu zwei Zuckerpalmen, die er mittels einer improvisierten Leiter (ebenfalls aus einem Bambusrohr) erklomm. Hoch oben zapfte er mittels eines Kanisters den "Saguere" genannten Palmsaft, aus dem er später "Cap Tikus", den Rattenbrand, herstellte. Der Name stammt vermutlich davon, dass Ratten dabei beobachtet wurden, wie sie die Rinde der Palme anknabberten und den angegorenen Saft tranken, worauf man auf die Idee kam, diesen Saft zu brennen.

 

Selbstverständlich stand anschließend eine ausgiebige Verkostung an. Aus einer Kokosschale schlürften wir reihum das hochprozentige Getränk und plötzlich wurde uns klar, was wir zum Mittagessen kredenzt bekommen hatten. Uns wurde vermittelt, dass der Verkauf im Laden zwar illegal, an Ort und Stelle im Wald jedoch erlaubt wäre. Versteht sich von selbst, dass wir zwei frisch abgefüllte Plastikfläschchen voll mitnehmen mussten. Im Dunkeln wackelten wir dann zurück durch den Dschungel zu den Bussen. Es folgte eine feuchtfröhliche Fahrt zum Abendessen und anschließend wankten wir müde und zufrieden nach diesem ereignisreichen Tag zu unseren Betten.

Besuch im Gruselkabinett

Am Folgetag mussten wir von der wundervollen Unterkunft Abschied nehmen. Nach dem Frühstück erwartete uns der bunte Reisebus, um uns zum Tangkoko Naturreservat zu bringen. Davor stand jedoch ein Besuch des "Pasar Beriman Kota Tomohon", dem quirlig-bunten Markt Tomohons, an. Schon am Eingang "begrüßte" uns ein Stand mit flambierten Ratten am Spieß. Dies würde wohl ein besonderer Marktbesuch werden... Es wimmelte nur so von farbenfrohen Obst- und Gemüseständen. Ebenso vielfältig war das Angebot an Gewürzen und getrocknetem Fisch. Auf dem von uns "Zimtgebäck-Straße" getauften Abschnitt genossen wir frisch gebackene, süße Teigtaschen, während um uns herum die Marktschreier ihre Waren bewarben und generell reges Treiben herrschte. Irre viele Eindrücke in ganz kurzer Zeit.

 

Es folgte ein gutgemeinter Rat von Reiseleiter Falko: Der Fleischmarkt sei nichts für schwache Nerven. Und in der Tat fühlten wir uns teilweise wie in einem Gruselkabinett. Schweinsköpfe, kopflose Wildschweine und Pythons oder flambierte Flughunde taten wir noch als "kurios" ab. Richtig schwer zu ertragen waren aber die Hunde. In einem Käfig saßen mehrere junge Tiere eingepfercht auf engstem Raum und vor lauter Hitze hechelnd, während unmittelbar nebenan einem toten Vierbeiner das Fell abgeflammt wurde. Klar, andere Länder, andere Sitten, aber trotzdem harter Tobak. Wir ersparen euch an dieser Stelle den Anblick. Die Stände mit frischem Fisch waren anschließend ein regelrecht willkommener Anblick und bei der Weiterfahrt waren wir froh auf die Aussicht, später im Naturreservat wieder auf lebendige Tiere zu treffen.

Wir fuhren weiter bis Airmadidi, wo wir einen ganz besonderen Friedhof besuchten. Auf diesem standen zahlreiche, von Menschenhand gebaute Steinbehälter, sogenannte Warugas. Sie wurden aus der Umgebung zusammengetragen und hier als Freilicht-Museum wieder aufgebaut. Am Eingang klärte ein Relief über die Herstellung und Geschichte auf. Das genaue Alter der oberirdischen “Särge“ ist offenbar umstritten. Ursprünglich auf die Steinzeit datiert, sind sie in Wahrheit wohl deutlich jünger, eher aus dem 9. Jahrhundert. Sicher dagegen ist, dass die Toten darin in embryonaler Haltung bestattet wurden - und zwar häufig mehrere übereinander, durch Platten voneinander getrennt. Zu Lebzeiten arbeiteten die Menschen an ihrer eigenen Waruga, in der sie später beigesetzt wurden. Kunstvolle Dachverzierungen wurden in den Stein gehauen, die zumeist einen Bezug zum Erschaffer hatten.

Zu den Waff... ähem... Affen!

Nach dem Besuch der Toten brachen wir auf zur letzten Etappe. Ziel: das Tangkoko Hill in besagtem Naturreservat, wo wir für eine Nacht einen kleinen Bungalow bezogen. Zunächst gab es ein kurzes Mittagessen, bevor es auf die Pirsch in den Dschungel ging. Zwecks Moskitos wurde lange Kleidung empfohlen - bei dreißig Grad und hoher Luftfeuchtigkeit eine

schweißtreibende Angelegenheit. Nach Madagaskar weist Sulawesi die zweithöchste dichte an endemischen Tierarten weltweit auf. Insbesondere auf ein mögliches Aufeinandertreffen mit den Schwarzen Schopfmakaken, die nur in Nordsulawesi leben, freuten wir uns besonders. Schon ihre Verwandten im Monkey Forest von Ubud vor zwei Jahren hatten es uns sehr angetan. Selbstverständlich lebten nicht nur Primaten, sondern auch jede Menge Vögel und andere Tiere im Schutzgebiet.

 

Gleich hinter dem Eingang saß ein farbenprächtiger Vogel, ein sogenannter Einsiedlerlist, auf Augenhöhe in einem Baum. Auf dem gut begehbaren Weg tiefer in den Urwald sahen wir Spitzhörnchen, eindrucksvoll große und bunte Schmetterlinge, wie man sie sonst nur aus dem Tropenhaus im Zoo kennt, eine Menge unterschiedliche Vögel und sogar einen Bärenkuskus weit oben in den Baumwipfeln. Überhaupt, diese unfassbar hohen Bäume mit ihrem für uns völlig ungewohnten Wurzelwerk. Eindrucksvoll war auch das Fluggeräusch des seltenen Helmhornvogels. Im Hintergrund erinnerte das Rauschen des Meeres daran, dass wir nicht weit vom Strand entfernt waren. An einer Stelle machten wir dort auch einen kurzen Halt.

Plötzlich erblickten wir die ersten Makaken. Was folgte, fühlte sich allerdings mehr als falsch an. Der Wildführer trieb uns förmlich dazu, den Tieren hinterher zu hetzen, wohl um uns möglichst gute Fotos zu ermöglichen. Wir folgten ihm nur widerwillig. Glücklicherweise bekam er kurze Zeit später Nachricht von seiner Kollegin, die eine der vier im Reservat lebenden Gruppen (je 60 bis 100 Tiere) gefunden hatte. Wie es der Zufall wollte, handelte es sich bei "Rambo 1" um genau die Bande, die am wenigsten Scheu vor Menschen zeigte. In aller Ruhe konnten wir die Affen aus nur wenigen Metern Entfernung beobachten. Sogar ein paar niedliche Jungtiere, die im Gegensatz zu den Erwachsenen noch ein weißes Gesicht aufwiesen, waren dabei - leider nur unscharf auf Foto festgehalten, da sie einfach nicht stillsitzen wollten. Wir fühlten uns nun wie Besucher und damit deutlich wohler, als noch bei der "Jagd" wenige Minuten zuvor.

 

Da es langsam dunkel wurde, traten wir den Rückweg an. Wir passierten unter anderem einen Schlafbaum der süßen Koboldmakis. Die nachtaktiven Tiere waren wohl gerade erst im Begriff aufzustehen und deshalb ebenfalls gut zu beobachten. Kurz bevor wir den Park verließen - es war mittlerweile richtig dunkel und wir froh über unsere Stirnlampen - hatten die Guides sogar noch zwei Taranteln in den Bäumen erspäht. Nichts für Arachnophobiker. Beim späteren Abendessen ließen wir den intensiven Tag Revue passieren, gingen danach allerdings früh zu Bett, da wir am Morgen vor der Abfahrt noch einen Abstecher runter zum Strand machen wollten.

Aufbruch nach Zentralsulawesi


Während der Rest der Gruppe noch tief und fest schlummerte, liefen wir am letzten Morgen im Norden der Insel noch mal zum Strand. Witzig: Das Tor zur Anlage des Tangkoko Hill war nur mittels einer zusammengeknoteten Plastiktüte "verschlossen". Wurde der Schlüssel zum daneben angebrachten Vorhängeschloss vor langer Zeit von den Affen gestohlen? Wer weiß... Zumindest trafen wir auf der Straße vor dem Resort auf eine kleine Gruppe Primaten, die im Müll nach Essbarem suchte.

 

Wir schlenderten weiter durch das noch sehr verschlafen wirkende Dorf. Am Meer angekommen lagen jede Menge hölzerne Auslegerboote im schwarzen Sand. Wir verwarfen unseren ursprünglichen Plan eines morgendlichen Bads zugunsten eines kurzen Strandspaziergangs. Wenige hundert Meter weiter schob eine Gruppe Einheimischer ein farbenfrohes Fischerboot samt Fang unter sichtlicher Anstrengung aus dem Wasser. In der Ferne erblickten wir die Hügel an der gegenüberliegenden Küste der Bucht. All das war ins herrliche Licht der aufgehenden Sonne getaucht. Traumhaft schön. Auf dem Rückweg erwachten auch langsam die übrigen Dorfbewohner und grüßten uns freundlich lächelnd, als wir die Straße zurückliefen.

Geschüttelt, nicht gerührt

Nach dem Frühstück ging es zurück nach Manado, wo wir am Nachmittag den Flieger nach Makassar im Südwesten Sulawesis nehmen wollten. Da wir schneller als erwartet vorankamen, hatten wir vor dem Mittagessen noch Zeit für einen kurzen Spaziergang auf eigene Faust. Wir besuchten insbesondere einen gerade erst fertig gestellten, kleinen Tempel einer Gemeinde von Dao-Buddhisten, die in Indonesien eine religiöse Minderheit darstellen. Im Anschluss kehrten wir im Restaurant Kawanua ein, wo leckerer gegrillter Fisch serviert wurde. Später am Flughafen mussten wir uns schweren Herzens von Silvana und Michael verabschieden. Wir hatten die beiden mittlerweile doch sehr ins Herz geschlossen.

Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen, weshalb sich unser Start um eine gute Stunde verzögerte. Wir überbrückten die Wartezeit mit leckerem Bintang. Endlich in Makassar angekommen, bestiegen wir kurz vor sechs Uhr abends einen modernen Reisebus, der uns ins rund 300 Kilometer entfernte Rantepao bringen sollte. Bei den hiesigen

Straßenverhältnissen bedeutete das einen gefühlt endlos langen, holprigen Transfer bis tief in die Nacht hinein. Unterbrochen von einem Zwischenstopp gegen 21:00 Uhr zum Abendessen am Meer, sowie einer Art Rasthof auf indonesisch nachts um halb zwei, bevor wir gegen kurz vor vier Uhr im Toraja Misiliana Hotel ankamen und völlig gerädert und gut durchgeschüttelt in unsere Betten fielen.


Tomate kannten wir bisher nur als Gemüse

Am Morgen danach waren wir überrascht, wie weitläufig und liebevoll gestaltet die Anlage war. Es gab einen kleinen und einen großen Pool samt Poolbar und diverse Räume für Feierlichkeiten oder auch Kongresse. Zwischen den Unterkünften und Wegen fanden sich bunte Blumen-, aber auch zahlreiche Gemüsebeete wieder. Die Küche legte offensichtlich viel Wert auf frische Zutaten. Besonders beeindruckend war der Platz direkt am Eingang. Dort standen gleich mehrere traditionelle, "Tongkonan" genannte Häuser mit den typisch ausladenden, an einen Schiffsrumpf erinnernden Dächern. Auch unsere Unterkunft besaß ein solches Dach, allerdings mit einem modernen Gebäude darunter. Die folgenden Tage sollten wir noch einiges über die Häuser und die lokalen Gepflogenheiten erfahren. Doch zunächst gab es erst mal ein Frühstück vom reichhaltigen Buffet und viel Kaffee gegen die Müdigkeit.

Im Anschluss ging es mit dem Bus in die Nähe eines kleinen Dorfs im Hochland, wo wir nach einem kleinen Spaziergang mit herrlicher Aussicht ins Tal Gäste einer Begräbniszeremonie der Toraja sein durften. Noch auf der Fahrt erklärte uns der lokale, im Übrigen sehr gut deutsch sprechende Guide Firdaus, was es damit auf sich hatte. Das gesamte Leben der Toraja ist demnach auf die Bestattung ausgerichtet, das Leben im Diesseits für sie nur eine Art Übergangsphase. Entsprechend sind die Begräbnisse mehrere Tage andauernde Feiern mit - je nach Stand und Status der verstorbenen Person - teils einigen hundert Gästen. Auch ausländische Besucher, die eine kleine Spende darbieten, sind herzlich willkommen. Um dem Toten einen möglichst guten Start im Jenseits zu ermöglichen, werden insbesondere diverse Schweine und Wasserbüffel geopfert. Letztere sind umso wertvoller, je besonderer und ausgefallener ihre Zeichnung ist.

 

Stirbt ein Toraja, gilt er zunächst als "tomakula", grob übersetzt "krank". Erst nach dem Begräbnisritual wird er für tot erklärt, in Toraja-Sprache "tomate". Wir konnten uns ob des "Falschen Freunds" ein Schmunzeln kaum verkneifen. Auch Firdaus sprach immer wieder amüsiert von den "Tomaten". Weniger amüsant, für uns eher schwer vorstellbar: Das "tomakula"-Dasein kann mehrere Jahre andauern, während der die „Kranken“ in Tüchern einbalsamiert zuhause bei der Familie verbleiben. Zwar sind die Toraja vorwiegend christlich geprägt, doch ihre alten Bräuche wurden bis heute beibehalten, beziehungsweise zum Teil integriert. Beim Spaziergang hinab passierten wir schon erste Felsengräber. Erdbestattungen waren hier nämlich auch nicht üblich. Daneben eine den traditionellen Häusern nachempfundene Trage, mit der die Särge transportiert wurden. 

Bunte Vögel mit Friedenspfeife

Als wir schließlich im Dorf ankamen, herrschte dort bereits reges Treiben. Zahllose Gäste waren schon vor Ort. Viele Mädchen trugen auffällige, rote Kleider mit farbenfrohem Schmuck. Ein Großteil der Erwachsenen war hingegen vorwiegend schwarz gekleidet, weshalb wir uns wegen unserer bunten Trekking-Sachen zunächst deplatziert vorkamen. Falko hatte im Vorfeld aber extra nachgehakt und versicherte uns, dass dies völlig in Ordnung sei. Sofort fielen uns die speziell für die Feierlichkeiten errichteten Bauten auf. Kein Wunder, dass "tomakula" so lange dauert. Gerade ärmere Familien dürften entsprechend lange sparen müssen, bevor sie sich eine Zeremonie dieser Größenordnung überhaupt leisten können. Es handelte sich um den ersten, also den Begrüßungstag. Jener Zeitpunkt, an dem nach und nach die Gäste eintrafen und ihre Geschenke und Opfergaben darboten. Die temporären, bunt geschmückten Unterstände waren um einen zentralen Platz herum errichtet worden, in dessen Mitte sich im Obergeschoss einer besonders schmuckvollen Konstruktion der Sarg befand. Darunter stand eine Art Zeremonienmeister, dessen eindringliche Stimme ununterbrochen aus zahllosen Lautsprechern ertönte. Er las aus langen Listen offenbar die Namen und Berufe sämtlicher Gäste vor. Auch wurde wohl penibel dokumentiert, wer wie viel "spendete", damit es bei der nächsten Zeremonie mindestens gleichwertig "zurückbezahlt" werden konnte.

 

Auf dem Hauptplatz lagen einige, auf Bambusstangen gebundene Schweine in der prallen Sonne. Während die einen unter lautstarkem Quieken versuchten frei zu kommen, hatten andere sich ihrem Schicksal bereits ergeben. Auch ein abgetrennter Büffelkopf „zierte“ das Feld. Diese Szenen mussten wir erst mal verdauen. Wir wurden zu einem der Unterstände begleitet, wo wir freundlich aufgenommen wurden und zwischen den Einheimischen auf Bastmatten am Boden Platz nahmen. Bei stark gesüßtem Kaffee und Tee, sowie lokalen Knabbereien und Gebäck ließen wir alles auf uns wirken, kamen mit den Gästen ins Gespräch und mussten immer wieder für gemeinsame Fotos posieren (was wir natürlich umgekehrt ebenso genutzt haben). Nach kurzer Zeit kredenzte man uns Palmwein, in Indonesien „Tuak“ genannt, aus einem Bambusrohr, das ähnlich einer Friedenspfeife herumgereicht wurde.

Als wir eine halbe Stunde - die uns aufgrund der vielen Eindrücke gerade mal wie fünf Minuten vorkam - später unseren Platz für die nächsten Gäste freimachten, wurden wir noch Zeuge eines weiteren eindrucksvollen Ereignisses: der symbolische Einzug eines vermutlich kompletten Dorfs, angeführt von drei als Kriegern gekleideten Männern. Der Zeremonienmeister wechselte in einen nicht weniger eindringlichen Singsang, zu dem sich obendrein eine Frauenstimme gesellte, deren Ursprung uns allerdings verborgen blieb. Der komplette Zug begab sich zu einer Art Begrüßungshalle am Kopfende des Platzes. Danach formierte sich ein Kreis aus etwa 20 bis 30 Männern, die sich gegenseitig an den Händen haltend tanzten und sangen. Da diese zahlreichen Eindrücke, allen voran die Geräuschkulisse, nur schwer in Worte zu fassen sind, haben wir auch hiervon ein kleines Video für euch zusammengeschnitten.

Reiten durchs Land der Toraja

Als wir die Zeremonie hinter uns gelassen hatten, wanderten wir wieder zurück zum Bus und setzten unseren Ritt über die holprigen Straßen des Hochlands fort bis zum Mentirotiku, einem Restaurant mit phänomenaler Aussicht hinab ins Tal (siehe das Titelbild dieses Artikels). Durch einen Vorraum, in dem zahlreiche Schnitzereien und Ornamente der traditionellen Häuser ausgestellt waren, gelangten wir zur Terrasse. Wir genossen den Ausblick und das späte Mittagessen und ließen dabei die intensiven Erlebnisse des Vormittags erst mal sacken.

Direkt im Anschluss ging es weiter zum Dorf Ke'te Kesu', dessen Kern aus sechs eindrucksvollen Tongkonans und zwölf dazugehörigen Reisspeichern bestand. Wie eine Kompassnadel waren sämtliche Gebäude in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, wobei jeweils Wohnhäuser und Reislager eine Reihe bilden - was im Übrigen in Toraja generell so gehandhabt

wird. Unser eigentliches Ziel lag jedoch etwas außerhalb des Dorfs. An einer hohen Felswand hingen dort zahlreiche Särge in unterschiedlichem Zustand. Teils scheinbar frisch gezimmert, teils stark von der Witterung gezeichnet. Manche ähnelten einem Schiffsrumpf, andere waren mit kunstvollen Büffelköpfen verziert, auf einigen lagen aneinandergereiht zahlreiche Schädel.

 

Über eine Treppe gelangten wir zu einer kleinen Höhle. Auch hier fanden wir menschliche Überreste und weitere Särge. Ein Durchgang führte in einen zweiten, stockfinsteren Raum, in dem ein geöffneter Sarg samt Gebeinen und Kleidung stand. An einer Wand war ein Totenschädel auf einem Sims drapiert. Gruselig? Zumindest irgendwie schräg. Da passte es, dass wir auf dem Weg nach draußen noch ein paar Fledermäuse aufschreckten, die dann im Licht unserer Lampen über unseren Köpfe schwirrten. Nach dem anschließenden Abstieg fuhren wir per Bus zurück zum Hotel. Fazit für den Tag: Unfassbar intensive Eindrücke, massig Informationen, aber auch definitiv (zu) viel Kurverei.

Auf Kaffeefahrt zum Büffelmarkt

Tags darauf stand Firdaus erneut mit dem Bus parat: Uns schwante nichts Gutes… Noch einen Tag nur von Ort zu Ort kutschiert werden wie eine asiatische Klischee-Reisegruppe? Nun ja, zunächst fuhren wir nur ein kurzes Stück ins nahegelegene Rantepao und besuchten einen beeindruckenden Viehmarkt. Mehrere Dutzend Wasserbüffel waren per Nasenring an einem riesigen Geflecht aus Seilen angebunden und standen gemütlich teils in der Sonne, teils an überdachten Futterständen. Wie wertvoll sie für die Torajas waren, erkannten wir gut daran, wie sorgsam man sie hegte und pflegte. Neben frischem Heu bekamen die Tiere regelmäßig eine kühle Dusche und wurden sauber geschrubbt.

Ganz anders erging es dagegen den Schweinen einige Meter weiter. Diese lagen bereits gefesselt auf ihrer Bambustrage und wurden zum Abtransport gerne einfach quer auf den Sozius des Motorrollers geschnallt. Sehr befremdlich. Hin und wieder stand eine kleine Traube Männer zusammen, um Hähne zu handeln und auf deren Kampftauglichkeit zu testen. In den Gebäuden und Marktflächen nebenan wurde quasi alles gehandelt, was man zum täglichen Leben braucht: Obst, Gemüse, getrockneter Fisch, Fleisch, Kaffee, Gewürze, Knabbereien, sowie Kleidung, Kosmetika und allerlei Haushaltsartikel.

Nach dem Markt ging es zu einem kleinen Dorf, wo wir unter anderem ein Tongkonan von innen begutachten konnten. Die drei dunklen, im Vergleich zur ausladenden äußeren Erscheinung des Gebäudes eher kleinen Räume waren sehr spartanisch eingerichtet. Unweit des Dorfs ging es danach über eine Treppe hinab zu einem speziellen Baum. Zahlreiche, von kleinen Palmfasermatten bedeckte Löcher befanden sich im Stamm. Es handelte sich um Baby-Gräber. Stirbt ein Kind noch vor dem Zahnen, wird es der Tradition gemäß zeitnah (ohne „tomakula“) in einem solchen Baum bestattet. Der bedrückende Anblick wurde durch versöhnliche Metaphern der hiesigen Mythologie gemildert: Das weiße Harz symbolisiert demnach die Muttermilch. Fällt bei der Bestattung ein Blatt herunter gilt die Seele als sicher auf der anderen Seite angekommen.

Von Babys im Baum zu Königen im Fels

Die Tour ging weiter zu den Königssteingräbern von Suaya. In mehreren in den Fels gehauenen Balkonen standen dort Holzpuppen, „Tau Tau“ genannt. Diese Ahnenfiguren werden nach dem Abbild der Verstorbenen angefertigt und „bewachen“ anschließend die Verstorbenen in ihren Felsnischen. Den optionalen Aufstieg über eine steile, steinerne Treppe haben wir

dankend in Angriff genommen. Abgesehen von einer traumhaften Aussicht aufs gegenüberliegende Dorf gab es dort zwar nichts weiter zu sehen, wir waren aber froh über etwas Bewegung, bevor es - ihr ahnt es sicher schon - mit dem Bus zunächst zum Mittagessen und anschließend in ein weiteres Toraja-Dorf ging. Die Dächer der Häuser dort waren teils mit Gräsern bewachsen, außerdem lagen hier und da einige Schädel auf den Balken - vermeintlich von Kopfjägern. So richtig überzeugt waren wir ehrlich gesagt nicht. Wir wären ohnehin lieber ein wenig durch die Reisfelder unterhalb spaziert…

Stattdessen ging es per Bus zu weiteren Felsengräbern, ebenfalls mit Tau Tau-Puppen, nach Lemo. Dort war immerhin Zeit für eine gemütliche Runde zu Fuß über den Hügel und um ein kleines Reisfeld herum, wo wir auch zwei Verkaufsbuden passierten, in denen ältere Damen Schnitzereien, Schmuck und Textilien anboten. Immer wieder blickten wir sehnsüchtig zu den Bergen am Horizont. Welch herrliche Aussichten wohl eine Wanderung dort bieten würde? Am späten Nachmittag bestiegen wir unsere Pferde… Verzeihung, natürlich den Bus und wurden zurück zum Hotel gebracht. Hand aufs Herz: So spannend wir die Kultur der Toraja fanden, so sehr drückte der Kaffeefahrt-Charakter der letzten beiden Tage - insbesondere nach dem ohnehin schon langen Bus-Transfer - aufs Gemüt. Wir hätten so gerne einen Tag davon gegen eine zünftige Bergtour im Hochland eingetauscht.

Endlich wieder Bewegung

Glücklicherweise durften wir am nächsten Tag Bus gegen Drahtesel tauschen. Wir starteten nach dem Frühstück direkt am Hotel in südlicher Richtung, bevor wir rechts abbogen, den Fluss überquerten und vorbei an Reisfeldern und kleinen Dörfern wieder nach Norden strampelten. Trotz Hochland war die Strecke größtenteils flach und daher bequem zu fahren. Bei einer kurzen Pause bot sich uns ein amüsantes Schauspiel, das wir in drei Fotos festgehalten haben: eine Wasserbüffel-Kuh riss sich los und tappte zielstrebig zum frisch bewässerten Reisfeld nebenan, um sich im Schlamm zu suhlen. Dicht gefolgt von ihrem Kalb. Dahinter ein liebestoller Bulle, der sich ebenfalls befreien konnte und offensichtlich der betörenden Schönheit hinterher trottete. Doch die Rinder hatten die Rechnung ohne den Besitzer gemacht. Dieser kam gerannt und fing die Kuh wieder ein. Die Karawane zog zurück aufs benachbarte Areal und Kuh und Büffel wurden in gebührendem Abstand zueinander - und diesmal hoffentlich ordnungsgemäß - festgebunden.

Wir setzen unseren Weg fort, machten hier und da kleine Foto- und Getränkepausen, bis wir kurz vor Mittag beim Kalimbuang Bori, einer Art Freiluftmuseum mit einer stattlichen Ansammlung Megalithen ankamen. Um die kreisförmig aufgestellten Felsen waren mehrere Unterstände mit den typischen schiffsförmigen Dächern aufgebaut. Während der Rest der Gruppe den museumsartigeren Teil im unteren Bereich aufsuchte, setzen wir uns ein wenig ab und erklommen eine Treppe, die zu zwei eindrucksvollen, mit Grabnischen übersäten Felsen führte. Dieser obere Teil wirkte bis auf den angelegten Steinweg noch sehr ursprünglich. Manche Gräber waren mit einem Foto, Opfergaben und einer mit Ornamenten verzierten Tür versehen. Verzeiht die Wortwahl, aber auf gewisse Weise hatte dieser Bereich etwas idyllisches an sich. Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit und mussten unsere Fahrt fortsetzen. Wenige hundert Meter weiter hielten wir an einem unscheinbaren Privatgelände, wo wir im Schatten eines Reisspeichers ein leckeres Mittagessen zu uns nahmen.

Nach der Pause ging es langsam zurück Richtung Rantepao. Kurz vor Erreichen der Stadt bogen wir jedoch noch für einen kleinen Umweg über eine extrem holprige Abfahrt ab. Dank moderner Bildstabilisierung seht ihr im Video davon zwar wenig, könnt aber sehr deutlich die quietschende Federgabel von Bernds Rad hören. Der bei uns nicht mal mehr als Feldweg durchgehende Straßenabschnitt führte uns über eine Brücke, unter der mehrere Wasserbüffel im Fluss badeten, zu einer Schule. Gegenüber dieser saßen weitere Tau Tau-Puppen im Fels. Nach dem anschließenden Dorf folgte noch eine gediegene Abfahrt auf Asphalt, bevor wir mit dem dichten Stadtverkehr Rantepaos förmlich verschmolzen. Überraschenderweise fühlten wir uns in diesem augenscheinlichen Chaos wesentlich sicherer, als im rücksichtslosen Kölner Verkehr auf dem täglichen Weg zum Büro. Die Menschen waren hier einfach absolut entspannt, nahmen gegenseitig Rücksicht aufeinander und niemand beharrte auf seinem Recht.

Ab nach Flores… oder doch nicht?

Zurück im Hotel genehmigten wir uns noch ein kurzes Bierchen im Pool, bevor es bereits um 18:00 Uhr auf den langen, harten Ritt durch die Nacht zurück nach Makassar ging. Nach einem Zwischenstopp an derselben Raststation wie auf dem Hinweg wurde es etwa in der Mitte der Strecke noch einmal spannend: Es ist nämlich gar nicht so leicht, um diese Uhrzeit noch Diesel zu finden. Beim ersten Versuch gingen wir - als dritter in der Warteschlange - dummerweise leer aus. Zum Glück war unser Busfahrer äußerst ortskundig. Nach einem kleinen Umweg fanden wir den dringend benötigten Treibstoff. Wie der Teufel raste der Fahrer weiter über die „Buckelpiste“ und lieferte sich in bester Cannonball-Manier ein Rennen mit den übrigen Verkehrsteilnehmern. Um sechs Uhr morgens sollte schließlich unser Flug gehen...

 

Gegen drei Uhr nachts erreichten wir dann gründlich durchgerüttelt den Flughafen Sultan Hasanuddin und fanden uns erst mal in einer wuseligen Menge Kopftuch tragender Muslimas wieder. Wir hatten längst verdrängt, dass der Islam in Indonesien die vorherrschende Religion war. Doch all die halsbrecherischen Überholmanöver halfen letztlich nichts: Nach kurzer Verwirrung am Check-In-Schalter musste Reiseleiter Falko seiner übermüdeten Truppe eine zermürbende Nachricht überbringen: Unser Flug mit Lion Air war ersatzlos gestrichen worden. Ihr könnt euch vorstellen, dass unsere Moral am Boden war.

Was sollten wir jetzt bloß tun? Verloren wir am Ende einen kompletten Tag und hingen sinnlos in Makassar rum? Zurück nach Rantepao war offensichtlich auch keine Option. Wie es weiter ging, erfahrt ihr im zweiten Teil der Geschichte. Wow, unser erster Cliffhanger… Bis dahin könnt ihr noch eine Sammlung von Schnappschüssen von unterwegs (häufig aus dem Bus heraus fotografiert) genießen, die schön das Flair Sulawesis einfangen, aber leider nicht so recht in den Artikel selbst passen wollten...

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