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Teneriffa fernab der Bettenburgen

Im Mai waren wir ziemlich spontan eine Woche auf eigene Faust auf Teneriffa unterwegs. Die atemberaubende, abwechslungsreiche Natur auf unseren Touren sowie die Besichtigung einer fast naturbelassenen Lavaröhre haben uns so sehr fasziniert, dass es wohl nicht lange dauern dürfte, bis wir wieder dorthin zurückkehren werden.

Aus Gründen, die den hier Rahmen sprengen würden, statteten wir im Mai der größten kanarischen Insel einen sehr kurzfristig geplanten Besuch ab: Am Wochenende über Komoot, wo ihr uns gerne auch folgen könnt, passende Wanderungen gesucht und geplant, Montag Abend gebucht und Mittwoch früh ging es bereits los.

Auf Teneriffa gelandet, machte es sich bezahlt, den Mietwagen bei TopCar, einem kanarischen und daher hierzulande eher weniger bekanntem Unternehmen, gebucht zu haben. Während wir nur einen einzelnen Kunden vor uns hatten, bildeten sich an den Schaltern von Sixt, Hertz und Europcar lange Schlangen. Sowohl die Anmietung, als auch die Rückgabe eine Woche später gestalteten sich problemlos. Von unserer Seite daher eine ganz klare Empfehlung.

 

Auf der Fahrt nach El Guincho im Nordwesten der Insel konnten wir erste Eindrücke aufsaugen. Der karge Süden erinnerte noch stark an Fuerteventura. Zusammen mit den riesigen Bettenburgen, die wir von der überraschend gut ausgebauten Autobahn aus sehen konnten, wirkte alles doch ziemlich befremdlich und abschreckend auf uns. Hier sollten wir abwechslungsreiche Wanderungen genießen können? Doch schon bald wurde es grüner und bergiger, die Dörfer wurden kleiner und erste Blicke auf den Vulkan Teide, dem höchsten Berg Spaniens, ließen erahnen, was uns erwarten würde.

Entspannung und Ruhe inmitten einer Bananenplantage

Im Übrigen sind wir die gesamte Woche kein einziges Mal auf eine Ampel gestoßen. Damit fällt unsere Ampelzählung noch geringer aus, als zuletzt auf den Azoren. Doppelt prüfen solltet ihr jedoch die Routenwahl der Navigationssoftware: Der kürzeste Weg führt häufig mit extremer Steigung durch engste Gässchen, verwunderte Blicke der Anwohner inklusive. Vorsichtigere Naturen nehmen besser den Umweg über die meist gut ausgebauten Serpentinenstraßen. Als wir letztlich nach etwa einer Stunde in El Guincho angekommen sind, war die Freude jedenfalls groß: Genau wie beschrieben lag vor uns unsere Unterkunft idyllisch mitten in einer gewaltigen Bananenplantage etwas oberhalb des Meeres mit dem Teide im Rücken: die Casa Rural Malpais Trece.

Gerade mal acht Zimmer verteilt auf zwei Häuser bot das Anwesen, bei dem lediglich Übernachtung mit Frühstück gebucht werden können. Allerhand historische Fotos schmückten die Wände und die Räume waren mit zahlreichen alten, aber gut gepflegten Möbeln vom Schaukelstuhl bis zum Sofa aus Omas Zeit liebevoll eingerichtet. Das großzügige Badezimmer war im Gegensatz dazu sehr modern ausgestattet. Wir fühlten uns gleich pudelwohl in unserem Zimmer mit Meerblick und hatten dank Nebensaison unser Gebäude sogar in vier von sieben Nächten ganz für uns allein.

Den angebrochenen Tag verbrachten wir zunächst mit einem kleinen Spaziergang durch die Bananenplantage hinab zu den Klippen, wo wir erste Lavaformationen vorfanden, wie wir sie bereits von den Azoren her kannten. Anschließend fuhren wir zu einem kleinen Supermarkt ins nahegelegene Icod de los Vinos, um uns für die erste Tour am darauffolgenden Tag einzudecken. Danach zog es uns für ein frühes Abendessen ins La Cofradia Del Mar wenige Gehminuten oberhalb unserer Unterkunft. Die wundervolle Aussicht, die Gastfreundschaft des vermeintlichen Chefs, sowie die leckere gemischte Fischplatte, die er uns unschlüssigen Touristen sehr charmant anpries, sorgten dafür, dass wir während des restlichen Aufenthalts noch häufiger Gäste auf der heimeligen Terrasse wurden. Anschließend ließen wir den Abend noch bei einer Flasche kanarischen Rotweins auf den Liegen der Terrasse von Malpais Trece ausklingen - äußerst gemütlich mit Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang hinter der Nachbarinsel La Palma.

Übers Teno-Gebirge bis zum Leuchtturm und zurück

Am nächsten Morgen starteten wir nach einem leckeren Frühstück ins kleine Örtchen Buenavista del Norte. Ein wenig südwestlich davon lag der Startpunkt unserer ersten ambitionierten Tour von rund 20 Kilometern, die direkt mit einem Anstieg auf rund 900 Meter Höhe begann. Wir parkten nahezu unmittelbar am Einstieg zum Camino del Risco (auch unter dem Namen Sendero del Risco Muertos zu finden), welcher sich bei einem großen Wasserreservoir befindet. Die beeindruckende Bergkulisse des Teno-Gebirges lag vor uns. Da sollte ein Weg nach oben führen? Wir waren mehr als gespannt. Also schnell in die Trekkingschuhe geschlüpft und schon konnte es losgehen.

 

Wir folgten dem weitgehend naturbelassenen Pfad, der sich steil vor uns nach oben schlängelte. Unser Mietwagen im Tal wurde schnell kleiner und kleiner. Neben wenigen Sträuchern säumten vor allem Kakteen unseren Weg, die Steine am Boden waren zum Teil mit Moos und Flechten bedeckt. Immer wieder raschelte es am Wegesrand und wir begannen uns zu fragen, ob es auf den Kanaren giftige Tiere geben mag. Wie sich in den nächsten Tagen herausstellen sollte, handelte es sich um harmlose Eidechsen, von denen es auf Teneriffa unzählige Arten zu geben scheint. Kurze Zeit später türmten sich neben uns eindrucksvolle Felswände auf. Es wurde windig und merklich kühler und wir fanden uns inmitten dichter Wolken wieder, wo zum Start noch strahlend blauer Himmel vorherrschte. Bei unserer ersten Pause nach dem großen Anstieg wechselten wir temporär auf trockene, etwas wärmere Kleidung.

Nach der Pause wanderten wir durch üppiges Grasland, welches zwischenzeitlich von einer bizarren Mondlandschaft aus gelbem Sandstein unterbrochen wurde. Das wohl eigentlich sehenswerte Dörfchen Teno Alto ließen wir aus Zeitgründen links liegen, da wir noch bis hinunter zum Leuchtturm Punta de Teno und anschließend natürlich wieder zurück zum Auto wollten. Der Abstieg hinab zu einer großen Obstplantage führte uns vorbei an oft mannshohen Kakteen und Agaven, sowie

Blick vom Teno-Gebirge hinab zum Leuchtturm Punta de Teno
Bis da runter wollen wir noch?

der einen oder anderen schnuckeligen Ziegenfarm. Bei einer kurzen Pause genossen wir die grandiose Aussicht hinunter aufs Meer mit Blick auf den in der Ferne liegenden Leuchtturm.

 

Unten angekommen passierten wir auf der äußerst leeren Straße, auf der tagsüber nur Linienbusse fahren dürfen, auch eine verlassene Plantage. Die mittlerweile nur noch in Fetzen hängenden Netze, die offenbar als Wände der Gewächshäuser dienten, flatterten gespenstisch im Wind. An der Bucht beim Leuchtturm angekommen, bot sich uns ein eindrucksvoller Anblick: Die massive Steilküste Los Gigantes. Wir nutzten die unterhalb des Leuchtturms gelegene Badestelle für ein erfrischendes, kurzes Bad im Atlantik, bevor wir den Rückweg entlang der schroffen, steilen Küste aus Lavagestein antraten. Neben dem Schauspiel der rauen Wellen, die sich in die Lavawände fraßen, erheiterte uns vor allem die Sichtung eines Hochseeanglers. Nun ja, die Schreibweise "Hoch-Seeanglers" wäre wohl treffender. Tatsächlich angelte besagter Herr von der Steilküste herab. So etwas hatten wir auch vorher noch nie gesehen.

Zurück an der Obstplantage wollten wir eigentlich einen bei Komoot verzeichneten, alternativen Weg die Berge hinauf steigen, um gegenüber den Camino del Risco wieder zum geparkten Wagen hinabzusteigen. Der Pfad sollte irgendwo in der Nähe einer alten Kapelle nach oben führen, war allerdings nirgends ausgeschildert und entweder komplett zugewachsen oder gar nicht (mehr) existent. Aufgrund der bereits sehr fortgeschrittenen Zeit wollten wir nicht noch länger suchen und folgten kurzerhand der Straße zurück. Diese Entscheidung bescherte uns ein weiteres kleines Highlight: Wir mussten einen schätzungsweise 500 Meter langen Tunnel durchqueren. Dieser war jedoch weder beleuchtet, noch wie sonst üblich mit Beton oder ähnlichem verkleidet. Wir behalfen uns mit der Taschenlampe des Smartphones. Die Wände wirkten, als ob der eher rechteckige Tunnel gerade frisch in den Fels gesprengt worden war. Deshalb gab es auch keinerlei Hall und sämtliche Geräusche waren gedämpft wie unter Tage oder in einem schalltoten Raum. Ziemlich unheimlich. Auf der gegenüber-liegenden Seite angekommen, genossen wir eine fantastische Aussicht über die Küste und Buenavista del Norte, bevor wir die restlichen Kilometer zu unserem Startpunkt zurück trotteten. Erschöpft, aber begeistert von dieser unglaublich abwechslungsreichen ersten Tour gönnten wir uns eine leckere Paella - erneut im La Cofradia Del Mar.

Fantastische Aussichten und schwarze Höhlen

Tags darauf war der Ausgangspunkt für unsere zweite Tour das keine zehn Kilometer entfernte, beschauliche Los Silos. Geparkt hatten wir direkt an der Hauptstraße zwischen den beiden Kreisverkehren. Bereits nach wenigen hundert Metern befanden wir uns auf dem Camino de las Moradas, auf dem wir durch eine Schlucht auf rund 1000 Meter Höhe aufstiegen. Wir sahen mehrere künstliche Wasserläufe, die ähnlich wie die Levadas, die wir von Madeira und den Azoren her kannten, nach unten führten - lediglich oben geschlossen statt offen. Der idyllische Weg war deutlich leichter begehbar und

der Anstieg glücklicherweise weitaus gemäßigter als noch am vorherigen Tag. Auch die Vegetation war hier merklich lebendiger. Viel mehr Büsche und Sträucher, sowie grüne Wiesen, die von allerhand summenden Insekten bewohnt waren. An manchen Stellen wähnten wir uns beinahe irgendwo in den Alpen - nur die schneebedeckten Berge im Hintergrund fehlten.

 

Einmal auf unserer heutigen "Reisehöhe" angekommen, schlängelte sich der Weg entlang der Berghänge. Wir passierten die Ruinen eines alten Gehöfts und genossen prächtige Ausblicke über die Schluchten hinweg und hinab ins weit unten gelegene Tal. Ziemlich verdutzt stellten wir fest, dass hier oben immer häufiger Flechten an den Büschen und Bäumchen hingen,

und sich Lorbeer- und letztlich sogar richtige Laubwälder vor uns auftaten. Die eine oder andere Stelle erinnerte gar an Ausläufer des Felsenlabyrinths nahe der oberfränkischen Luisenburg. Auch an diesem Tag zogen wieder einige Wolken auf und es herrschte eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, was wiederum schnell die üppige Vegetation um uns herum erklärte.

Kurz bevor wir Erjos erreichten, bogen wir spontan vom Weg ab und fanden am Ende eines Bergrückens ein charmantes Easter Egg: einen kleinen Schrein mit Woody aus Toy Story. Wie zur Belohnung rissen die Wolken auf und bescherten uns einen malerischen Blick auf das kleine Bergdorf, sowie den Teide im Hintergrund. Von nun an ging es den Rest der Tour nur noch bergab. Wir folgten einer zerfallenen Levada, die teilweise als Führungsrinne für ein modern(er)es Wasserrohr diente. Den Abstieg empfanden wir allerdings als ziemlich eintönig - ein Stück weit sicherlich auch der Müdigkeit nach dieser ebenfalls nicht wenig anstrengenden Tour geschuldet. Umso begeisterter waren wir jedoch, als sich vor uns die "Cuevas Negras" genannten schwarzen Felswände auftürmten. Diese zerfurchten, dunklen Ungetüme hatten wir uns nicht im Ansatz so beeindruckend vorgestellt. Absolut sehenswert!

Nachdem wir uns losreißen konnten, stiegen wir den restlichen Weg hinab nach Los Silos, von wo aus wir die Heimfahrt antraten. An diesem Abend verzichteten wir auf die Terrasse vom La Cofradia Del Mar und fuhren stattdessen auf Empfehlung unseres Vermieters Pedro nach Garachico ins Casa Gaspar. Wir hatten Glück: Auch ohne Reservierung bekamen wir noch einen Tisch in dem urigen Gastraum mit offener Küche und Theke mit frischem Fisch. Wir waren sowohl vom Essen, als auch vom Service so begeistert, das wir völlig verschwitzt haben, Fotos zu schießen. Leider sollte es unser einziger Besuch dort bleiben, denn das Gaspar hat nur wenige Tage in der Woche geöffnet. Schade.

Den Spaniern aufs Dach gestiegen

Für den dritten Tag hatten wir uns den sportlichen Höhepunkt vorgenommen: Die Besteigung des Pico del Teide, mit einer Höhe von 3718 Metern auch das Dach Spaniens genannt. Laut Wetterbericht sollte es der heißeste Tag der Woche werden, oder um es mit den Worten von Pedro zu sagen, als wir von unserem Vorhaben erzählten: "Madre Mia!" Da wir möglichst früh los wollten, bot er uns in der Unterkunft ein zeitiges Frühstück an, was so viel hieß, wie: Kaffee vom Vorabend aus der Thermoskanne, reduzierte Auswahl am Frückstücksbuffet - kein Aufschnitt, kein Salat - dafür trotzdem Orangensaft, Brötchen, Toast, Streichkäse, etc. Toller Service!

 

Über La Orotava fuhren wir auf gut 2000 Meter Höhe hinauf in den Nationalpark El Teide mitten durch die Wolkendecke. Generell können wir festhalten: Im Norden der Insel war es einen Großteil der Woche über mal mehr, mal weniger dicht bewölkt. Die Wolken hingen am Gebirgszug auf etwa 800 bis 1000 Metern Höhe fest, während darüber nahezu immer strahlend blauer Himmel und herrlicher Sonnenschein herrschte.

Panorama mit Vulkan Teide und wolkenverhangenem Tal La Orotava
Aussichtspunkt oberhalb des wolkenverhangenen Tals von La Orotava. Ganz links zu sehen: Unser Ziel, der Teide.

Der winzige Parkplatz am eigentlich geplanten Einstiegspunkt zum Montaña Blanca Sendero war dummerweise schon rappelvoll. Wir fuhren also zurück zum Parkplatz beim Mirador Minas de San José und stellten uns schon auf drei langweilige Extra-Kilometer die Straße entlang ein. Doch wären wir nicht die Glückskinder, wenn wir nicht - wie insgeheim erhofft - auf ein freundliches französisches Ehepaar getroffen wären, das uns dankenswerterweise zurück zum gewünschten

Startpunkt zum Aufstieg auf den Teide
Gleich geht es los!

Startpunkt mitnahm. Etwa die erste Stunde lang trotteten wir eine recht breite, staubige und mäßig steigende Piste entlang durch diese faszinierende, karge Mondlandschaft. Neben einem Geländewagen begegnete uns auch eine Gruppe von Trailrunnern - und das waren bei weitem nicht die letzten, die wir an diesem Tag sehen sollten. Wir stießen bald auf die ersten Teide-Eier, die "Los Huevos del Teide". Gigantische schwarze Lavakugeln, die wie von Riesenkindern verstreute Murmeln mitten in der Landschaft lagen - mit einem beeindruckenden Durchmesser von zumeist mehreren Metern. Danach änderte sich der Weg: Es ging nun deutlich steiler bergauf, in Serpentinen einen gut befestigten Pfad entlang. Die Höhenluft und insbesondere unsere fehlende Akklimatisierung machten sich bemerkbar. Unser Startpunkt lag immerhin auf etwa 2200 Meter über dem Meeresspiegel. Zudem gab es keinerlei Schatten, es war aber trotzdem nicht zu heiß. In gemäßigtem Tempo, mit ausreichend Flüssigkeit (pro Person hatten wir gut vier Liter Wasser bei uns) und Pausen ging es in T-Shirt und kurzer Hose stetig voran. Auf etwa 3250 Metern passierten wir das Refugio Altavista. Von dort aus ging es noch mal rund eine Stunde durch ein Lavafeld mit Blick auf nichts als Geröll und Gestein. Noch nicht einmal der Gipfel war in dieser Zeit zu erspähen - ein zermürbender Abschnitt.

Auf gut 3500 Metern angekommen, waren wir erst mal ordentlich platt, aber stolz, den Aufstieg geschafft zu haben. Es wimmelte nur so von Seilbahntouristen, die mit der Teleférico del Teide - in meist fragwürdig geeigneter Kleidung - nach oben gefahren waren. Im Gegenzug wirkten wir mit unseren Trekking-Klamotten und Bergstiefeln vermutlich ebenfalls befremdlich auf das Völkchen in Sommerkleidern und Flipflops. Zu unserer Verwunderung gab es außer einer Hütte mit Toiletten und einem Getränke- sowie Süßigkeiten-Automaten nichts weiter an der Bergstation. Nicht dass wir eine Skihütte mit Après-Ski-Musik erwartet hätten, aber zumindest ein kleines Café hätte uns nicht überrascht. Ganz nach oben auf den Gipfel konnten wir leider nicht, was uns aber vorher bereits bewusst gewesen war. Aufgrund einer Begrenzung der 

Brotzeit vor dem Gipfel des Vulkans Teide
Ein Stück Berg-Chorizo?

Touristenanzahl ist tagsüber die Besteigung des letzten Abschnitts nur mit einer vorab erworbenen, offiziellen Genehmigung möglich. Die Termine waren jedoch bereits bis Mitte Juli ausgebucht gewesen. Alternativ hätten wir so frühzeitig aufsteigen müssen, dass wir noch vor 9:00 Uhr morgens den Gipfelweg wieder verlassen gehabt hätten. Ehrlich gesagt waren wir unserem Zustand nach darüber auch nicht gänzlich unglücklich.

 

Nach einer ausgiebigen Stärkung traten wir den Rückweg an. Zwar hätte uns der Abstieg auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls brennend interessiert, doch mussten wir ja zurück zu unserem Auto, weshalb wir denselben Weg nahmen, den wir gekommen waren. Was sich zunächst eintönig anhören mag, erwies sich als überraschend schön. Das Licht der Nachmittagssonne tauchte das Ödland unter uns in ein zauberhaftes Licht und durch den dauerhaften Blick ins Tal ergaben sich ganz neue Ausblicke, die

wir bergauf gar nicht so wahrgenommen hatten. Uns begegneten auch zu fortgeschrittener Stunde immer noch Wanderer auf dem Weg nach oben. Einige vermeintlich unterwegs zum Refugio Altavista, um nach einer Übernachtung dort zum Sonnenaufgang den Gipfel zu erklimmen. Bei anderen waren wir uns hingegen nicht so sicher, ob sie sich bewusst waren, dass sie die letzte Seilbahn nach unten sehr wahrscheinlich nicht mehr erreichen würden…

Als wir erneut die Teide-Eier passierten, dämmerte uns langsam, dass wir noch den unangenehmen „Bonusweg“ bis zum Parkplatz vor uns haben würden. Doch an der Straße angekommen blieb uns das Glück auch am Abend hold: schon nach wenigen hundert Metern hielten zwei junge Kanarier, um uns staubige Anhalter nach kurzer Verständigung mit Händen und Füßen bis zu unserem Mietwagen mitzunehmen. Unser Fazit: Der Weg auf den Teide ist eindeutig das Ziel. Zwar mögen die Seilbahntouristen oben dieselbe Aussicht genossen haben, die atemberaubenden Ausblicke und intensiven Farbtöne im Licht der Abendsonne beim Abstieg zurück in die riesige Caldera und selbstverständlich das Gefühl von Stolz, die knapp sieben Stunden (reine Gehzeit) geschafft zu haben, blieben ihnen dagegen verwehrt. Nach einer guten Stunde Rückfahrt und einer kurzen Dusche schleppten wir uns noch auf unsere Lieblingsterrasse ins La Cofradia Del Mar, bevor wir anschließend hundemüde ins Bett sanken.

Magische Acht um Chinyero und Arenas Negras

Nach diesen intensiven drei Tagen mit rund 55 Kilometern Strecke bei über 6000 Höhenmetern entschieden wir uns spontan um. Statt einer weiteren 15-Kilometer-Tour mit erneut knapp 1500 Höhenmetern, die noch dazu landschaftlich recht ähnlich zu den ersten beiden Tagen ausgefallen wäre, suchten wir uns eine etwas kürzere Route auf nahezu ebenem Gelände rund um den Chinyero und die Arenas Negras. Wie sich noch herausstellen sollte eine absolut glückliche Entscheidung. Bereits die Anfahrt gestaltete sich spannend und abenteuerlich: Von der Abfahrt der Bundesstraße führte lediglich ein mit Schlaglöchern gespickter Waldweg zum Parkplatz im Wald. Auf diesem Weg herzlichen Dank an den

Kanarischer Grillplatz im Wald

kanarischen Kombi-Fahrer, dem wir nach anfänglichem Zögern einfach hinterher tuckerten. Spätestens in diesem Moment waren wir heilfroh, statt eines sportlichen Cabrios nur einen günstigen Kleinwagen gemietet zu haben. Wobei: in diesem Fall wäre ausnahmsweise sogar ein SUV angebracht gewesen. Am Ziel angekommen, staunten wir nicht schlecht: Vor uns lag mitten im Wald ein geräumiger schattiger Parkplatz, nebenan ein Spielplatz und zahlreiche Grillplätze mit größeren und kleineren Bänken, rege genutzt von den Einheimischen. Aber wir waren ja nicht zum Futtern hier. Also schnell checken, in welche Richtung… Huch? Hätten wir mal nicht vergessen, die Tour vorher herunterzuladen… Zum Glück reichte die Internet-Verbindung im südlichsten Eck des Parkplatzes gerade so aus, sonst wäre es beinahe eine Freestyle-Runde geworden.

Schnell wurde uns klar, warum das Gebiet Arenas Negras genannt wird. Der Wanderweg führte durch eine schwarze Wüste aus Lavasand, die nur vereinzelt Vegetation aufwies. Wie Pioniere standen immer wieder kleine Kiefern in einem Kreis ihrer herabgefallenen und vertrockneten Nadeln. Auch vereinzelte Sträucher, Blumen und Flechten eroberten sich langsam den Lebensraum inmitten Vulkanasche und -gestein zurück. Nach der Durchquerung eines Lavafelds standen wir plötzlich in einem richtigen Kiefernwald, nur um wenige hundert Meter später am Fuße des Montaña Negra erneut in die hier noch kargere schwarze Wüste zu treten. Ein malerischer Anblick bot sich uns: Im Vordergrund der kleine Kegel, daneben schwarzer Vulkansand mit im Sonnenlicht grell-grün leuchtenden Bäumen und in der Ferne der Teide unter einem tiefblauen Himmel, der mit weißen Schleierwolken verziert war. Verzückt folgten wir weiter dem Wanderweg bis wir eine gemütliche Stelle zum Rasten ausmachten. Im Halbschatten mit erstem Ausblick auf den Chinyero genossen wir unsere aus dem Supermarkt mitgebrachten Leckereien. Nicht unbemerkt von ein paar äußerst neugierigen, überraschend zutraulichen und offensichtlich hungrigen Eidechsen. Ein vorsichtig angebotenes Stückchen Pflaume wurde jedenfalls schneller, als wir für ein Foto zum Smartphone greifen konnten, dankend angenommen.

Auch auf unserer weiteren Runde um den Schlackenkegel wussten wir nicht, wo wir zuerst hinblicken sollten. Das vielseitige Farbenspiel, das prächtige Licht bei herrlichstem Wetter und die zauberhaften Ausblicke auf die unterschiedlichen Vulkane waren einfach nur grandios. Nachdem wir hinter dem Krater erneut durch einen kurzen, wenn auch etwas spärlicheren Kiefernwald-Abschnitt wanderten, sollte sich uns die Kraft der Natur kurz darauf noch einmal so richtig offenbaren. Wir durchquerten abermals ein Lavafeld. Im Gegensatz zum Vormittag war dieses jedoch deutlich größer und noch nicht von kleinen Pflanzen bewachsen. Wir konnten gut erkennen, wie sich der Strom beim letzten Ausbruch im Jahr 1909 seinen Weg gebahnt haben musste. Besonders imposant war ein haushoher, schwarzgrauer Steinbrocken. Versteht uns nicht falsch: sämtliche Touren auf dieser Reise waren gespickt mit schönen Eindrücken. Aber dieser Tag war irgendwie besonders und hatte etwas Magisches an sich. Unglaublich schön!

Nach einer weiteren kurzen Pause auf der anderen Seite des Lavafelds kehrten wir zurück zum Parkplatz und traten zur zweiten Etappe der „Rallye Arenas Negras“ an, was wir unbedingt auch im Video festhalten mussten. Auch wenn das Video dank automatischer Bildstabilisierung kaum wackelt: Die Rinnen und Schlaglöcher waren oft tiefer, als die Bodenfreiheit unseres kleinen Citroëns, doch seht einfach selbst. An dieser Stelle unsere besten Grüße an TopCar *hüstel*

Erleichtert darüber, mit unbeschädigtem Wagen dem Wald entkommen zu sein, fuhren wir in Serpentinen noch einmal nach Los Silos hinab, wo wir von einem natürlichen Meeresbecken zum Baden, dem Charco Los Chochos, an der ansonsten sehr wilden Küste gelesen hatten. Wir spazierten vorbei an einer überdimensionalen Vogelskulptur aus Müll, dem (geschlossenen) Freibad und dem hiesigen Badestrand, bis hin zu einem 17 Meter langen Walfisch-Skelett, das an der Promenade auf zwei Pfeilern montiert wurde und vor der Kulisse des Teno-Gebirges ganz besonders gut zur Geltung kam. Wenige Schritte weiter fanden wir dann die besagte, natürliche Badewanne. Leider hatten ein paar Hobbyangler das ohnehin nicht allzu geräumige Becken so sehr mit Brotkrümeln angereichert, dass uns die Lust zum Baden sofort verging. Leider? Genau genommen glücklicherweise. Denn abermals wenige hundert Meter weiter fanden wir das deutlich größere und schönere Charco Don Gabino, in dem wir unsere müden Muskeln erfrischten. Zwar nicht so mystisch, wie die Bucht auf der Azoreninsel São Jorge, aber ohne Frage genauso entspannend. Generell gibt es unserer Meinung nach nichts erholsameres, als nach einer langen Wanderung ein wenig im Meer zu paddeln. Ebenfalls hilfreich: ein leckeres Abendessen mit frischem Fisch, wie wir es an diesem Abend im Restaurante Arístides in Garachico mit Blick auf den zentralen Plaza de la Libertad genossen.

Jahrhunderte alte Naturwunder über und unter der Erde

Für Montag hatten wir bereits online von zuhause aus gebuchte Tickets für eine Führung durch die Cueva del Viento, eine der längsten Lavaröhren der Welt. Die zunächst gehegte Idee, von der Unterkunft in den Nachbarort Icod de los Vinos zu laufen, von wo auch die Führung startete, hatten wir jedoch verworfen. Zum einen war es ziemlich bewölkt, zum anderen war Bernds Wade etwas angeschlagen. Stattdessen fuhren wir mit dem Auto bis ins Zentrum, um von dort zunächst zum Drago Milenario, dem wohl größten und bekanntesten Drachenbaum der Kanaren, zu laufen. Wir schlenderten zum Plaza Andrés de Lorenzo Cáceres, einem zentral gelegenen, urigen Dorfplatz. Von dort aus hatten wir einen gute Sicht auf den uralten Riesen, der im zugehörigen Parque del Drago steht. Den Eintritt in den Park haben wir uns allerdings gespart.

Den niedlichen Teil des Ortes verlassend, setzten wir unseren Weg fort hinauf zum überraschend kleinen Besucherzentrum der Lavaröhre. Der Aufstieg war schweißtreibend und ziemlich monoton. Wir bereuten anschließend, nicht das Auto genommen zu haben. Im Besucherzentrum informierten diverse Tafeln mit Fotos und Kartenmaterial über die Röhre. Es werden mehrmals täglich Führungen in unterschiedlichen Sprachen mit Gruppen bis maximal 16 Leuten angeboten. Festes Schuhwerk ist Pflicht und es empfehlen sich zudem lange Hosen und idealerweise auch ein langärmliges Shirt, da in der Röhre eine gleichbleibende, relativ kühle Temperatur vorherrscht. Unser deutschsprachiger Guide Jochen war gebürtiger Schweizer und gab uns zunächst eine kurze Einführung in die erdgeschichtliche Entstehung Teneriffas und natürlich viele Informationen zu Lage, Ursprung und Erforschung der Lavaröhre. Anhand eines Videos mit Szenen von Vulkanausbrüchen auf Hawaii erklärte er mit viel Witz und Charme unter anderem die unterschiedlichen Strukturen und Formen der Lava. So langsam wurden wir jedoch hibbelig. Schließlich wollten wir endlich hinab und uns selbst ein Bild machen. Mit der gestellten Ausrüstung, bestehend aus Haarnetz, Helm und Stirnlampe, ging es in zwei Kleinbussen ein paar Kilometer den Berg hinauf zum Startpunkt.

"Nicht immer kommen wieder alle mit raus..."
"Nicht immer kommen wieder alle mit raus..."

Dort stand noch ein gut 20-minütiger Fußweg zum Eingang der Vulkanröhre auf dem Programm. Dieser führte entlang eines historischen Handelspfads und vorbei an einem mit einem Gitter abgedeckten Loch, wo die Decke der Röhre eingestürzt war und wir einen ersten Blick in die Tiefe riskieren konnten. Während des Wegs erhielten wir weitere spannende Details. Unter anderem, dass die hiesigen Eidechsen bis zu 60 Zentimeter lang werden können und es keine giftigen Tiere auf der Insel gibt. Am Einstieg angekommen machte Jochen mit den Geräten der Teilnehmer noch schnell Fotos in voller Montur und vermittelte uns die drei wichtigsten Verhaltensregeln: Füße richtig anheben, mit der Stirnlampe immer auf den Boden vor einem leuchten und Fotos keinesfalls im Gehen schießen.

 

Über eine Metalltreppe stiegen wir erwartungsvoll in die Unterwelt hinab. Schnell wurde uns der

Hintergrund der drei Regeln bewusst: Der Boden war wirklich alles andere als eben und wir mussten ordentlich aufpassen, nicht auf die Nase zu fliegen. Generell fiel auf: Die Röhre war so naturbelassen erhalten worden wie möglich. Es gab weder Haltegriffe noch andere bauliche Veränderungen von einer kleinen Treppe im unteren Teil abgesehen. Auch der Name wurde sogleich klar: durch eine dauerhafte, leichte Brise war immer ausreichend Frischluft und damit Sauerstoff vorhanden. Wir erfuhren auch im Inneren einiges über die Bildung der Röhre und ihrer zahlreichen Verästelungen und Kreuzungen und dass es mehrere endemische, an diesen speziellen Lebensraum angepasst Tierarten, wie beispielsweise Insekten ohne Augen. Teilweise sahen wir die Spitzen der Kiefernwurzeln aus der Decke ragen. Genau wie im Tunnel auf unserer ersten Wanderung schluckten die Wände auch hier jegliche Geräusche und Licht, was wir eindrucksvoll in einer Schweigeminute mit ausgeschalteten Stirnlampen verinnerlichen konnten. Ein abgefahrener, intensiver Moment!

Viel zu schnell waren wir unterhalb des von außen bereits gesehenen Lochs angekommen und mussten wieder umkehren. Wir hätten noch stundenlang weitere Teile des riesigen Netzwerks erkunden und Jochens Erläuterungen lauschen können - sein Herzblut für den Erhalt der Röhre und die Leidenschaft, das Wissen darüber weiterzugeben, war deutlich zu spüren.

Zurück im Tageslicht nahmen wir eine alternative Route vorbei an einem historischen Getreide-Dreschplatz. Auch auf dem Rückweg sprudelten die Informationen aus Jochen nur so heraus. Wir erfuhren, dass die kanarische Kiefer bestens an die vulkanische Umgebung angepasst ist und dank der Beschaffenheit ihrer Rinde bis zu sieben Feuer überstehen kann. Zudem ist sie maßgeblich an der lokalen Trinkwasserversorgung beteiligt: Bis zu 70 Liter Wasser filtert sie pro Tag aus den Wolken und gibt einen Großteil davon an den Boden ab. Dank der porösen Böden gibt es wiederum kaum Sturzbäche, weshalb es problemlos möglich ist, Häuser auch an Berghängen oder gar in Schluchten zu errichten - für den Schweizer Neuankömmling Jochen damals zunächst überraschend.

Unser Fazit: Eine absolut lohnenswerte, beeindruckende Erfahrung. Leider kämpfen die Mitarbeiter bislang vergeblich, den Status Natur- bzw. Nationalpark zu erreichen. Offenbar erhalten sie auch keinerlei Förderung, womöglich weil auf den Kanaren bis heute eine gewisse Skepsis und Aberglaube dem Unterirdischen gegenüber existiert. Bonus für uns beide: Jochen hat uns anschließend dankenswerterweise noch im Auto bis zurück ins Zentrum von Icod de los Vinos genommen. Dabei erzählte er weitere spannende Geschichten aus seinem bewegten Leben, denen Bernd im Übrigen im Laderaum des zweisitzigen Kleintransporters lauschen musste. Wir nutzten die Zeit noch, um uns mit Brot, Oliven, einheimischen Käse, Schinken und Wein im Supermarkt einzudecken und genossen anschließend einen gemütlichen Abend auf der Terrasse unserer Unterkunft.

Spaziergang auf einem fremden Planeten

Auch an unserem letzten Tag mussten wir aus „Wadengründen“ erneut improvisieren. Der Aufstieg zu den Nasenlöchern des Teide und auf den Chahorra-Vulkan war uns für diesen Zustand doch etwas zu riskant. Trotzdem wollten wir noch mal die Landschaft im Teide-Nationalpark erkunden und die (Höhen-)Sonne genießen. Daher suchten wir uns erneut eine flache, nicht allzu lange Runde aus (diese Tour findet ihr leider nicht auf unserem Komoot-Profil, weil dummerweise beim Speichern etwas schiefging). Startpunkt war die Talstation der Teleférico del Teide. Wir brachen deshalb wieder frühzeitig auf, um möglichst vor den Touristenbussen auf dem Parkplatz anzukommen. Gute Entscheidung! So konnten wir einen weitgehend ungestörten Foto-Stopp bei den eindrucksvollen Roques de Garcia einlegen und anschließend unseren Mietwagen problemlos auf dem Wanderparkplatz abstellen.

Wir starteten in südlicher Richtung und durchquerten die bizarre Landschaft mit Gestein in unterschied-lichsten Farben und Formen. Fast wie ein riesiger, sich selbst überlassener Steinbruch wirkte die Umgebung. Zahlreiche Sträucher und Büsche, sowie eigenartige, teils mehr als mannshohe Gewächse wuchsen überall um uns herum. Bei letzteren handelte es sich um Wildprets Natternköpfe, eine auf Teneriffa und der Nachbarinsel La Palma endemische Pflanze. Glücklicherweise waren wir dienstags unterwegs, denn an mehreren Stellen stießen wir auf Verbotsschilder. Montags, mittwochs und freitags zwischen 7:00-14:00 Uhr wird hier scharf geschossen.


Grund ist die Jagd auf ursprünglich vom Menschen eingeschleppte Mufflons, die sich ansonsten im Nationalpark ungehemmt ausbreiten würden. In der Nähe des Hotels Parador de Cañadas del Teide legten wir eine kurze Pause am Wegesrand ein. Es dauerte nicht lange, bis wir auch hier von zahlreichen neugierigen Eidechsen umringt waren, die an dieser Stelle anscheinend häufig von Touristen gefüttert werden, so wenig Scheu zeigten sie.

Nach dieser tierischen Rast passierten wir inmitten der Las Canadas del Teide am Fuß des schlafenden Vulkans Guajara eine beeindruckende Sandsteinformation, die erfolgreich der Erosion zu trotzen schien und gerade von Kletterern in Beschlag genommen wurde. Auch den Guajara hätten wir gerne noch bestiegen, aber das muss wohl bis zum nächsten Besuch auf Teneriffa warten. Selbstverständlich bot sich uns auch immer wieder ein herrlicher Blick auf den Teide aus unterschiedlichsten Perspektiven auf diesem äußerst angenehmen Rundweg. Auf breiten Pfaden und abschnittsweise entlang einer Schotterstraße war es für uns wie ein ausgedehnter Spaziergang auf einem fremden Planeten, von dem wir viel zu früh wieder zurück waren.

Weil wir liebend gerne noch einmal in den Atlantik hüpfen wollten, hatten wir in weiser Voraussicht unsere Badesachen bei uns. Bereits auf der Hinfahrt hatten wir ein Schild Richtung eines Strands namens Playa San Juan erspäht. Wir überlegten nicht lange und fuhren auf direktem Wege ins gleichnamige Hafenstädtchen. Zunächst gönnten wir uns dort ein erfrischendes Bad im Meer und anschließend nicht weniger erfrischende, unfassbar leckere Cocktails in der Bluebloos Beach Bar an der netten kleinen Promenade. Viel los war weder am Strand selbst, noch in der gemütlichen Bar. Hätten wir nicht noch Fahren müssen, wären wir hier vermutlich bis zum späten Abend versackt, so schön erschien uns das Plätzchen. Stattdessen spazierten wir noch kurz den Strand auf und ab, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

Zwar war die dortige Schlucht schon seit längerem gesperrt, wir entschieden uns aber dennoch spontan in Santiago del Teide links Richtung Masca abzubiegen, um zumindest von oben einen Blick auf die sagenumwobene Landschaft zu werfen. Der Umweg sollte sich lohnen. Leichte Nebelschwaden durchzogen das Tal und wurden in der Abendsonne in ein mystisches Licht getaucht. Beim Blick durch die Schlucht konnten wir am Horizont die aus den Wolken blickende Spitze der Nachbarinsel La Gomera sehen. Zu gerne wären wir hinab gestiegen. Stattdessen fuhren wir über Buenavista del Norte und Los Silos zurück zum Malpais Trece und gönnten uns nach einer kurzen Dusche zum Abschluss erneut leckeren Fisch im Arístides im Nachbarort Garachico.

"Wenn es am schönsten ist,...

...soll man aufhören, heißt es“ hat eine kleine feine Band mal gesungen und genauso fühlte sich der letzte Tag für uns an. So vieles, was wir noch entdecken wollten, so unfassbar schöne Eindrücke, die wir liebend gerne noch viel länger auf uns hätten wirken lassen wollen, doch es half alles nichts: Am Abend würde uns der Flieger wieder nach Deutschland zurückbringen.


Um unseren Katalog an Ideen für den nächsten Besuch noch zu vervollständigen, beschlossen wir, einen kleinen Umweg über die Ostseite der Insel zum Flughafen zurück zu fahren. Von der Autobahn aus konnten wir zwar nur erahnen, wie grün das Anaga-Gebirge am nordöstlichen Zipfel sein musste, wären aber am liebsten noch für eine kleine Wanderung dorthin abgebogen. Doch dazu hätte die Zeit nicht mehr ausgereicht.

Stattdessen wurde der Kulturschock von Kilometer zu Kilometer stärker: Die Landschaft wurde karger, die Städte größer und die Autobahn zwischenzeitlich sogar vierspurig. All das wirkte unfassbar hektisch auf uns. Bald tauchten an der Küste die ersten Bettenburgen auf. Für uns nicht mehr vorstellbar, wieso sich manche Menschen dort für eine oder gar mehrere Wochen „einsperren“ lassen. Selbst eine Bohrinsel vor der Küste konnten wir erspähen. Bestimmt ein herrlicher Anblick vom Pool aus... Den ursprünglichen Plan, uns noch Santa Cruz de Tenerife anzusehen, haben wir schnell verworfen. Auf Stadt hatten wir absolut keine Lust mehr. Stattdessen fuhren wir ins die touristische El Médano, wo wir an der nicht allzu vollen Strandpromenade erst mal einen Kaffee tranken. Anschließend holten wir uns im Minimarkt nebenan noch ein paar Leckereien und spazierten entlang des Playa de Montaña Roja, wo wir am Fuß des roten Hügels unsere letzten Momente an der Küste genossen und Abschied von Teneriffa nahmen. In der Ferne konnten wir sogar die Spitze des Teide erblicken.

Unsere Meinung zur Reise


Wer den Artikel bis hierhin gelesen hat, wird sicherlich gemerkt haben, wie sehr uns Teneriffa fernab der Bettenburgen gefallen hat. Diese wunderschöne Insel mit ihrer vielseitigen Vegetation und abwechslungsreichen Landschaften auf gerade mal gut 2000 Quadratkilometern Fläche ist ein absolutes Naturparadies für Wanderer. Ihr könnt innerhalb einer Woche unfassbar viel erleben und sehen. Trotzdem haben wir auf unserer Wunschliste noch Touren und Ideen für mindestens eine weitere Woche. Und nebenan liegt ja auch noch La Palma…

 

Neben der Tatsache, dass dies unsere mit Abstand am kurzfristigsten gebuchte Reise war, so war es auch unsere erste Tour auf eigene Faust. Anfängerglück? Vielleicht. Auf alle Fälle ein voller Erfolg. Zugegeben: Im Nachhinein hätten wir die Tour des letzten Tages besser zur Höhenakklimatisierung und als Pause nach den ersten beiden anstrengenden Tagen genutzt und sie vor die Besteigung des Teide gelegt. Davon abgesehen hat aber alles prima geklappt.

Zudem ist die Insel auch preislich recht erschwinglich und kulinarisch für uns ein absolutes Highlight gewesen. Mit ein paar Brocken Spanisch und halbwegs gutem Schulenglisch ist es auch abseits der Touristenhochburgen problemlos möglich, sich zu verständigen. Die Kanarier, genauer die Tinerfeños, empfanden wir als sehr offene, herzliche und unglaublich sympathische Menschen. Keine Frage: Wir kommen definitiv wieder!

Reisedetails

Reisetitel

Gebucht bei

Dauer

Reisetermin

Schwierigkeitsgrad

 

 

 

 

Reisepreis (p. P.)

Nebenkosten (p. P.)

  

 

Zahlungsmittel

Mobilfunk

 

Einreise

Besonderheiten

 

Teneriffa fernab der Bettenburgen

Auf eigene Faust

7 Tage inkl. An- und Abreise

08. bis 15. Mai 2019

Auf einer Skala von 1 bis 5 würden die Reise mit einer 3 bewerten. Gerade die ersten drei Touren erforderten gute bis sehr gute Trittsicherheit und ordentlich Kondition. Die schmalen Pfade vom Camino del Risco sind nicht für Menschen mit ausgeprägter Höhenangst zu empfehlen.

550€ (inklusive Mietwagen)

Zusätzliche Verpflegung/Souvenirs, etc.:

150€ (Sparsam) - 300€ (Genießer)

Führung Cueva del Viento: 20€ pro Person

Kein Geldwechsel (Euro); Kartenzahlung problemlos möglich

EU-Daten Roaming; WLAN im Hotel kostenlos; Mobilfunk-Empfang ortsabhängig, in der Regel aber gut

Einreise mit Personalausweis; keine Impfungen nötig

Keine giftigen Tiere; endemische Flora und Fauna; Anreise per Direktflug problemlos möglich