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Das ist Österreich? Teil 2: Mölltal


Während unser Abstecher ins Maltatal etwas kürzer ausfiel, hatten wir fürs Mölltal ganze sechs Tage eingeplant. Statt Berghotel diente der Campingplatz von Heiligenblut als Ausgangspunkt für ausgedehnte Touren durch traumhafte Täler, auf aussichtsreiche Gipfel, zu einsamen Hütten und (fast) bis zum Gletscher. Warum uns ausgerechnet ein Holländer einen der schönsten Tage beschieden hatte, erfahrt ihr in diesem zweiten Teil unserer Reihe „Das ist Österreich?“.

Kurze Rekapitulation: Nach dem Besuch der spektakulären Eisriesenwelt Werfen verbrachten wir zwei wunderschöne Tage an der Kölnbreinsperre am Ende des Maltatals im gleichnamigen Berghotel. Nach einer ausgedehnten ersten Wanderung durch die traumhaften Elendtäler, ein wenig Kletterei und dem Besuch einiger Wasserfälle fuhren wir zum Campingplatz in Heiligenblut, unserer Ausgangsbasis für die nächsten Tage.

 

Der Campingplatz bot genügend Raum, lag angenehm ruhig und idyllisch am Waldrand und bot einen großen, sauberen, wenn auch nicht mehr ganz modernen Sanitärbereich. Der Empfang war freundlich, die Mitarbeiter hilfsbereit und es gab einen Brötchenservice. An der Rezeption fanden wir außerdem einen kleinen Shop mit Gaskartuschen, Bier und anderen Kleinigkeiten vor.

Frühsport mit Hindernissen


Wir erwachten nach einer angenehm ruhigen Nacht bei wunderschönem Wetter. Die Bergspitzen wurden bereits von der aufgehenden Sonne angestrahlt, während wir unser Frühstück genossen und uns anschließend auf den Weg machten. Das heutige Ziel hieß Jöchlkopf, sowas wie der Hausberg des Campingplatzes, da der Aufstieg auf den 2337 Meter hohen Gipfel in unmittelbarer Nähe begann.

Der knackig steile, immer mal wieder ausgesetzte Anstieg durch den Wald Richtung Retschitzalm brachte uns gleich ordentlich ins Schwitzen. Als wäre das nicht genug mussten wir immer wieder unter umgestürzten Bäumen hindurch kriechen oder irgendwie an ihnen vorbei kraxeln. Der schneereiche Winter hatte deutliche Spuren hinterlassen, die so früh in der Saison noch gar nicht beseitigt werden konnten. Wie uns der Betreiber des Campingplatzes mitgeteilt hatte, lagen noch im Mai die Reste der im vergangenen Winter bis zu fünf Meter hohen Schneedecke im Tal.

Kurz vor zehn Uhr hatten wir bereits über 500 Höhenmeter hinter uns und gönnten uns eine kleine Rast auf einer Bank mit Ausblick über Heiligenblut, bevor wir weiter dem nicht enden wollenden Pfad nach oben folgten. Langsam wurde der Wald lichter und gab den Blick frei auf die auf 2191 Metern Höhe gelegene Weidefläche, den Jöchlkopf und im Hintergrund sogar den Großglockner, sowie den Gletscher Pasterze.

Ganz privates Panorama

Wir wanderten den Trampelpfad weiter den Hang entlang, bewältigten ein paar leichte Kletterpassagen und mussten bald einen breiten Schmelzwasser-Fluss überqueren. Da weder Brücke noch hilfreiche Steine in Sicht waren, zogen wir kurzerhand unsere Schuhe aus und watenden vorsichtig, aber doch zügig durch das, nun ja, erfrischend kalte Nass. Inmitten der Hochalm legten wir anschließend eine kurze Genusspause ein, um uns an der Ruhe und Aussicht zu erfreuen.

Auf den weiteren Höhenmetern folgte zur Abwechslung mal wieder die Überquerung eines Schneefelds, bevor wir die verlassene Almhütte passierten und um die Mittagszeit nach einem erneuten steilen Anstieg den Gipfel des Jöchlkopfs erreichten. Klare Sicht, der 360-Grad-Panoramablick und die Tatsache, dass wir all das vollkommen für uns allein hatten, entschädigten für die Anstrengungen auf dem wenig ansprechenden Anstieg durch den Wald. Was für eine Aussicht! Der perfekte Ort für einen Gipfelschluck.

Frisch gestärkt überquerten wir anschließend eine moosige Almwiese, passierten den Gipfel des Hinterm Hap und überquerten oder umgingen erneut einige Schneefelder. Dahinter ging es gemütlich den vermutlich für den Almauftrieb genutzten Weg - zumindest den vielen über den Winter konservierten Kuhfladen-Tretminen nach zu urteilen - bergab Richtung Ebenalm. Während des Abstiegs genossen wir das wundervolle, sich ständig ändernde Lichtspiel auf der Gebirgskette, die sich vor uns auftat.

Zäher Rückweg vorbei am Chaos

Je tiefer wir kamen, desto häufiger waren die teils verheerenden Schäden durch Schneelawinen, Erdrutsche und Fallwinde sichtbar. Umgestürzte, oft weit hinab mitgerissene Bäume säumten die Zuläufe des Gößnitzbachs. Leider hatte die Wirtsbaueralm geschlossen, dabei hätten wir jetzt viel für ein kühles Getränk und eine Pause für die müden Füße gegeben. Stattdessen erwarteten uns etwa vier Kilometer entlang eines derart langweiligen Fahrwegs, dass es nicht ein einziges Foto davon gibt. Randnotiz: Bis hierhin war uns seit dem Verlassen des Campingplatzes keine Menschenseele begegnet.

Nach einem unangenehm steilen Abstieg über die staubige, rutschige Piste ersparten wir uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit den Abstecher zum Gößnitzwasserfall und folgten stattdessen direkt dem Walderlebnisweg Natura Mystica mit seinen Infotafel und Themenstationen, wie überdimensionalen Hörrohren. Für Kinder sicherlich spannend, für uns - noch dazu im vom Abstieg etwas zermürbten Zustand - eher weniger interessant.

 

Vor dem letzten Abschnitt riet uns ein Waldarbeiter zur Straße zu wechseln, da der Weg ab hier derzeit nicht frei begehbar war. Wir trotteten also über den Asphalt weiter und erreichten unser rollendes Zuhause am frühen Abend mit vielen neuen Eindrücken. Die heutige Tour war zwar sportlich, die Retschitzalm und die Aussicht vom Jöchlkopf sicherlich lohnenswert, aber gemessen an der traumhaft schönen Elendrunde war im Mölltal noch gewaltig Luft nach oben. Nach dem Abendessen checkten wir noch schnell die Wettervorhersage, packten unsere Sachen für den Folgetag und verkrochen uns in unsere Koje, gespannt darauf, was die morgige Tour für uns bereithielt.

Im Goldgräber-Märchenland


Nach einer stürmischen Nacht mit heftigen Regenfällen begrüßte uns der nächste Morgen zu unserer großen Freude wie vorhergesagt mit Sonnenschein und blauem Himmel. Nach dem obligatorischen Frühstück folgte eine knapp halbstündige Fahrt zum Wanderparkplatz Großzirknitztal in der Gemeinde Großkirchheim in der Nähe von Döllach. Die immer schmaler werdende und in Serpentinen ins ehemalige Zentrum des Gold- und Silberbergbaus im Nationalpark Hohe Tauern führende Bergstraße war gut befahrbar und mautfrei. 

Von dort wanderten wir stetig leicht bergauf, parallel der rauschenden Großen Zirknitz, durch das wildromantische Tal mit seinen urigen Wäldern, tosenden Wasserfällen und moosig-grünen Felsblöcken. Kein Vergleich zum Vortag, wir fühlten uns wie im Märchenland. Auch hier blieben kleinere Zufluss- und Restschnee-Überquerungen, manchmal unter den Augen eines neugierigen Murmeltiers, nicht aus und wir hatten einen Riesenspaß dabei. Ein durch und durch abwechslungsreicher, wunderschöner Weg.

Gegen elf Uhr erreichten wir über eine zum Glück nur provisorisch wirkende Brücke den geschichtsträchtigen Zahltisch auf 2114 Metern Höhe, wo zur Goldgräberzeit die Entlohnung stattfand. Oberhalb davon lag ein wieder zugänglich gemachter, historischer Stollen. Den Versuch, dorthin zu kommen, mussten wir leider abbrechen. Zu instabil erschien uns die Schneedecke im steilen Hang über den unförmigen, großen Felsen, zu groß das Verletzungsrisiko beim Einbruch.

Mittagspause am Zahltisch

Zeit für eine Mittagspause, bevor wir dem Panoramaweg Richtung Kegelesee folgen wollten. Der Blick zurück beim Aufbruch offenbarte zwei einsame Wanderer, die ebenfalls durchs Tal herauf kamen. Wir überließen ihnen gerne den Zahltisch und setzten unsere Tour fort. Der Aufstieg zum Hochweg war durch ein großes, ziemlich steiles Schneefeld verdeckt, welches wir lieber umgingen, auch wenn das ein wenig Kraxelei im unwegsamen Gelände bedeutete. Wir erreichten zeitgleich wieder festen Boden in Form des Wanderwegs, als unsere Verfolger am Zahltisch angelangten. Zu unserer Überraschung stellten wir beim Herabblicken fest, dass es sich um die niederländischen Nachbarn vom Campingplatz handelte. Das würde ein amüsantes Gesprächsthema am Abend abgeben.

Von nun an ging es gemütlich und nahezu flach den Höhenweg entlang und wir konnten die Aussicht hinab ins Tal und auf das umliegende Bergpanorma in aller Ruhe genießen. Unser ganz persönliches Highlight war ein kleiner Felsvorsprung, sozusagen unsere Mini-Trolltunga als Trost für den ausgefallenen Norwegen-Besuch. Bei guter Sicht konnten wir außerdem bis hinüber zur Schobergruppe blicken, noch nicht ahnend, dass wir gleich auf zwei spontan geplanten Touren in diesem Gebiet unterwegs sein würden.

Nach einiger Zeit erreichten wir die nicht bewirtschaftete Eckhütte und damit die Abzweigung Richtung Eckkopf, mit knapp 2871 Metern Höhe ein Aufstieg von weiteren rund 600 Höhenmetern und eine Art Bonusziel des heutigen Tages. Der Gipfel sollte ohne größere Schwierigkeiten zu besteigen sein und das Wetter machte noch immer einen zumindest stabilen Eindruck. Auch wenn wir uns bezüglich des Schnees nicht sicher waren, ob wir es bis nach oben schaffen würden, wollten wir es zumindest versuchen.

Schnee und Wind statt Gipfelglück

Viel Weg war meist nicht zu erkennen, doch dank zahlreicher Markierungen blieben wir trotzdem in der Spur. Anscheinend wird dieser Gipfel nicht allzu häufig bestiegen. Nach rund der Hälfte des Aufstiegs nahm jedoch der Wind massiv zu und auch die Schneefelder wurden üppiger, so dass wir weder gut vorankamen, noch dem Wetter länger trauten. Von Süden zogen graue Wolken auf und wir hatten ja auch ohne Gipfel noch einen ordentlichen Rückweg vor uns. Wir beschlossen, die Aussicht von einer windstillen Nische zwischen den Felsen noch ein wenig zu genießen, dann aber umzukehren.

Zurück an der Eckhütte bogen wir ab Richtung Kegelesee, zumindest diesen Bogen wollten wir schon noch laufen, anstatt den direkten Abstieg zu wählen. Wir folgten also erneut dem gemütlichen Höhenweg bis oberhalb des Sees, zu dem wir aber nicht mehr komplett hinabstiegen. Stattdessen ging es in einem weitem Bogen durch langsam waldiger werdendes Gebiet bis zur ebenfalls unbewirtschafteten Hütte Färberkaser. Von dort stiegen wir steil bergab über einen zum Teil massiv von umgestürzten Bäumen blockierten Waldweg und über eine Forststraße zum Parkplatz, von wo wir am frühen Abend zurück zum Campingplatz fuhren.

Am Abend tauschten wir uns mit den Niederländern über die landschaftlich spektakuläre Tour und die gegenseitigen Erlebnisse im Allgemeinen aus. Sie waren diesmal nicht die gesamte Runde gegangen, aber kannten den Höhenweg noch von früher. Zudem legten Sie uns eine Tour vom nahegelegenen Putschall aus wärmstens ans Herz, doch dazu kommen wir später noch. Wir können euch eine Runde durchs Großzirknitztal jedenfalls nur empfehlen, möglichst inklusive dem Höhenweg. Es war wirklich eine absolut fabelhafte Tour.

Jede Menge Wasser


Für den heutigen Freitag war ab dem frühen Nachmittag mit stärkeren Regenfällen zu rechnen, weshalb wir es bevorzugten, lieber im Tal zu bleiben. Fußläufig des Campingplatzes lag der Möllschlucht-Klettersteig und wenige Kilometer weiter talabwärts der malerische Wasserfall Jungfernsprung, der uns beim Vorbeifahren bereits ins Auge gestochen war. Für uns klang das wie die perfekte Ausgleichsrunde und so spazierten wir nach einem gemütlichen Frühstück bei leichter Bewölkung los und folgten dem Flusslauf der Möll.

Am Ausstieg des Klettersteigs angekommen, mussten wir leider feststellen, was wir vorab bereits befürchtet hatten: Die Zähne des dortigen Wehrs lagen wegen der Schneeschmelze komplett unter Wasser. Bei derartigen Verhältnissen sei mit erhöhter Schwierigkeit zu rechnen und man komme definitiv nicht trockenen Fußes durch die Schlucht. Noch gaben wir nicht auf und folgten zumindest ein Stück dem Trampelpfad hinab zum Zustieg, um einen Blick zu riskieren.

 

Doch obwohl wir eine einsame Person im Steig erspähen konnten, entschieden wir uns gegen das Abenteuer. Schon auf der ersten Seilbrücke wären wir von der Gischt komplett durchnässt worden, Bernd hätte zudem durch die Brille vermutlich nicht mehr viel gesehen. Bezogen wir dann noch rutschige Drahtseile und Stahlstifte in die Überlegung mit ein, war klar: heute war für uns nicht der richtige Zeitpunkt.

Schnell wie der Teufel

Unverrichteter Dinge und ein wenig enttäuscht setzten wir unseren Weg fort, durchquerten eine kleine Siedlung mit einer niedlichen Kirche, deren rotes Turmdach in der Sonne leuchtete, bevor es wieder parallel des Flusses entlang ging. Nach nochmals etwa drei Kilometern erreichten wir den Jungfernsprung. Der Sage nach überlebte eine Jungfrau ihre Flucht vor dem Teufel, als sie bei einem beherzten Sprung in die Tiefe von Engeln davongetragen wurde, wo heute das Wasser des Zopenitzenbachs ins Tal stürzt. Ein Steig führte durch den Wald rund 100 Höhenmeter hinauf zu einer Aussichtsplattform am Fuße des 130 Meter hohen Wasserfalls, wo uns die Gischt eine erfrischende Abkühlung bescherte.

Aus einem erhofften Kaffee nach dem Abstieg wurde leider nichts: Die Gastro-Hütte am Parkplatz befand sich gerade noch im Bau, weshalb wir uns nach einer kurzen Brotzeit direkt wieder auf den Heimweg machten. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig zurück zum Campingplatz, bevor es heftig zu regnen und stürmen begann. Aus unserem Kompanja heraus konnten wir einige hektische Szenen beobachten: Markisen wurden abgebaut, Autos schützend vor Zelteingängen geparkt und Tische und Stühle festgezurrt. Nach einer guten Stunde war das Unwetter durchgezogen und wir nutzten die Zeit zur Aufstockung unserer Vorräte im Mini-Supermarkt von Heiligenblut, bevor wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.

Holländische Höhenfreuden


Am nächsten Tag war es soweit, wir wollten der Empfehlung unserer Nachbarn folgen, das Gradenmoos zu erkunden. Natürlich reichte uns das allein nicht und wir planten, bis hoch zur Adolf-Noßberger-Hütte aufzusteigen und - sofern es die Schneemengen zuließen - die Weißwandspitze zu umrunden. Entsprechend früh fuhren wir los zum Wanderparkplatz im Gradental. Schon die Anfahrt über eine von Kühen gesäumte Schotterpiste gestaltete sich abenteuerlich. Selbst die Navi-App war sich unsicher, ob wir hier überhaupt mit dem Auto fahren durften. Am großzügigen, recht leeren Parkplatz gab es dann erstaunlicherweise sogar eine "Bushaltestelle" - fürs Wandertaxi. Kurios! Gespannt, was uns erwarten würde, starteten wir gegen halb neun unsere Wanderung.

Parallel des Gradenbachs führte der Weg durch lichten Wald über eine Steilstufe samt - ihr ahnt es - Schneequerung hinauf zum Gradenmoos auf 1913 Metern Höhe, einem imposanten, zweieinhalb Hektar großen Staumäandermoor, das sich umringt von gleich mehreren Dreitausendern malerisch vor uns ausbreitete. Der Weg führte rechtsseitig um die wundervolle Hochebene herum. Mit Blick auf zahlreiche Wasserfälle überquerten wir erneut einen Fluss und ein Schneefeld, bevor es über einen steilen, zeitweise seilversicherten Aufstieg über mehrere Geländestufen auf das nächsthöhere Plateau ging.

Vor uns erstreckte sich ein über weite Teile schneebedeckter Kessel mit mehreren darunter hervorlugenden Seen. Am Talende erspähten wir die noch winzig klein wirkende Noßberger Hütte inmitten dieser traumhaften Kulisse. Wir befanden uns auf einem Teilstück des Wiener Höhenwegs und nahmen Kurs auf die Hütte über zahlreiche, gut passierbare Schneefelder. Schon hier war klar, dass wir denselben Rückweg nehmen werden müssten, da der alternative Abstieg entlang der Seeufer noch hoffnungslos verschneit war.

Kulinarischer Hochgenuss

Unserer Stimmung tat das keinen Abbruch und wir erreichten pünktlich zur Mittagszeit - als Gäste Nummer zwei und drei dieser Saison wie wir später erfuhren - die frisch eröffnete Hütte am Ufer des Gradensees auf 2488 Metern Höhe. Der überaus herzliche Empfang und die famosen Kochkünste von Wirt Christian versüßten uns den ohnehin schon von der grandiosen Aussicht untermalten Aufenthalt. Wir hatten die Terrasse ganz für uns alleine und genossen das sich stetig wandelnde Lichtspiel von Wolken und Sonne. Ganz klare Empfehlung: Speckknödel, Heidelbeerschmarrn und der selbst angesetzte Kaffeelikör. Ein Träumchen!

Da auch die geplante Umrundung der Weißwandspitze ins (gefrorene) Wasser fiel, wurde es eine für unsere Verhältnisse ungewöhnlich ausgedehnte Pause. Beinahe hätten wir uns dazu hinreißen lassen, der Einladung zur Übernachtung zu folgen, doch nach einer guten, sehr unterhaltsamen Stunde brachen wir schweren Herzens, aber mit einem weiteren Hüttentipp im Gepäck zum Abstieg aus dieser Idylle auf. Christian empfahl uns einen Besuch der Hochschoberhütte, oberhalb von Sankt Johann im Walde. Mal sehen, ob wir einen Besuch dort einplanen konnten...

Beschwingt vom angenehmen Aufenthalt traten wir den Rückweg an, der von tierischen Begegnungen geprägt war. Zum einen kam uns eine Schafherde entgegen, die erstaunlich zielgerichtet dem unter dem Schneefeld verborgenen Weg nach oben folgte, zum anderen entdeckten wir einen „Yoga-Frosch“ - zumindest verschränkte dieses Exemplar seine Hinterbeine nach einem Sprung extrem seltsam auf dem Rücken... Wir waren mehr als froh über den Tipp der Niederländer. Was für ein wundervoller Tag in traumhaft schöner Natur mit einem kulinarischen Hochgenuss als Bonus. Fantastisch!

Zurecht gerühmter Panoramaberg


Am Tag darauf stand eine etwas längere Fahrt ins Astental zum Sadnighaus an. Von dort wollten wir über das Almgasthaus Glocknerblick auf den Mohar aufsteigen, einem leicht begehbaren Gipfel, der einen schönen Rundumblick bieten sollte. Wir folgten zunächst einem recht knackig ansteigenden Trampelpfad durch saftig grüne Wiesen und lichtem Wald, der mehrfach die Serpentinen einer Forststraße überquerte. An der letzten dieser Kreuzungen bogen wir nach links auf den Fahrweg ab und spazierten gemütlich bis zum Gasthaus.

Ehrlich gesagt fanden wir den Namen Glocknerblick recht euphemistisch gewählt. Ja, wir konnten die Spitze von Österreichs höchstem Berg über die davor liegende Gebirgskette lugen sehen, mussten aber schon sehr genau hinschauen. Trotzdem legten wir eine kleine Kaffeepause ein, genossen aber lieber die Aussicht auf die Schobergruppe in südlicher Richtung.

Im Anschluss stiegen wir über den strammen Südwestgrat zunächst bis zum Moharkreuz auf 2451 Metern Höhe auf. Schon die herrlichen Ausblicke auf diesem Abschnitt ließen unsere Herzen höher schlagen. Je höher wir kamen, desto besser wurde der Blick auf den Großglockner. Bis zum Jungfernsprung und auf die Kirche in Heiligenblut reichte die Sicht im Tal. Wie würde es wohl erst auf dem Gipfel aussehen?

Quer über eine Almwiese folgte der Weg den Grat entlang und in einem letzten steilen Aufschwung erreichten wir über einigen Restschnee das geräumige Gipfelplateau auf 2605 Metern Höhe. Was sollen wir sagen? Der unscheinbare Gipfel zählte nicht umsonst zu Kärntens schönsten Aussichtsbergen. Bergpanorama in sämtliche Himmelsrichtungen soweit das Auge reichte. Einfach traumhaft! Der perfekte Ort für eine ausgiebige Mittagspause.

Waschgang mit Murmeltieren

Nach einer guten halben Stunde setzten wir die Tour fort, stiegen hinunter zum Göritzer Törl, wo eine Murmeltier-Fotosession anstand, und folgten von dort dem Waschgang, einer historischen Verbindung zu einer Reihe alter Stollen, die wir jedoch nicht besuchten. Wir überlegten stattdessen kurz, ob wir versuchen sollten, uns bis hinüber zum Anstieg des Stellkopfs durchzuschlagen, um von dort zurück zum Sadnighaus abzusteigen, entschieden uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und den Schneeverhältnissen allerdings dagegen. Trotzdem hatte sich der herrliche Ausblick hinab Richtung Kröll- und Bartleralm von unserem Wendepunkt aus mehr als gelohnt.

Gegen zwei Uhr nachmittags erreichten wir abermals das Göritzer Törl und bogen talabwärts ab, um über saftig-grüne Almwiesen abzusteigen. Wir erreichten bald steinigeres Gelände, genossen die Weitsicht auf den gegenüber liegenden Gebirgskamm rund um den Sadnig und trafen kurz nach der Baumgrenze wieder auf die Almstraße, von wo aus wir dem schon bekannten Weg zurück zum Sadnighaus folgten. Dort kehrten wir ein und verarbeiteten bei einem leckeren Essen die zahlreichen schönen Eindrücke des zurecht viel gerühmten Aussichtsberg Mohar.

Steigeisen und Eispickel?


Am nächsten Tag stand bereits die wohl letzte Runde im Mölltal an. Das Erklimmen von Spielmann und/oder Brennkogel hatten wir aus Schneegründen längst für den Besuch der Nossberger Hütte eingetauscht. Nun konkurrierten noch eine Wanderung zur Pasterze mit der empfohlenen Hochschober-Hütte, die wir von unserem nächsten Zielort Lienz besser erreichen konnten. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickeln würde.

 

Zum Glocknerhaus fuhren wir jedenfalls bei strahlend blauem Himmel über die mit knapp 40 Euro Maut recht teure Großglockner Hochalpenstraße. Gut, im Preis inbegriffen war auch das Parken am Aussichtspunkt Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, doch wollten wir dort eigentlich gar nicht hin.

Der winzige Wanderparkplatz am Glocknerhaus befand sich vom Tal kommend unmittelbar hinter dem Gebäude links, wo rechter Hand die achtspurige (kein Witz!) Wartespur für die Auffahrt zum Parkhaus begann. Der vordere Parkplatz war nur für Haus- und Restaurantgäste ausgewiesen. Dort erklärte ein Bergführer seiner Gruppe gerade die Verwendung von Steigeisen, während daneben Seile und Eispickel lagen. Bitte was? Nach kurzem Schock und vorsichtigem Nachfragen war aber klar, dass wir für unsere Route kein derartiges Equipment benötigen würden. Glück gehabt!

Beruhigt stiegen wir unter den neugierigen Blicken einer Gruppe Schafe den Hang vorm Glocknerhaus hinab bis zum Margaritzenstausee. Wir überquerten die Staumauer, bogen ab Richtung Heiligenblut und erreichten über einen gemütlichen Weg durch lichten Wald eine knappe Stunde später die Abzweigung ins Leitertal. Von dort ging es entlang des Leiterbachs zunächst überraschend knackig bergauf, selbstverständlich auch über obligatorische Restschnee-Passagen, bis das Tal breiter und der Anstieg flacher wurde.

Das wahre Gasthaus Glocknerblick

Je höher wir vorstießen, desto malerischer wurde die Umgebung. An einer Hütte passierten wir eine Pferdefamilie, die hier im Einklang mit den Kühen weidete. Kurz darauf gabelte sich der Pfad. Während es linker Hand zur Glorer Hütte ging, wanderten wir über den von Blumen, sattgrünem Gras und jeder Menge Murmeltieren gesäumten Pfad weiter Richtung Salmhütte. Das Wetter war herrlich und die Sicht auf die weiß marmorierten Berghänge ringsherum derart schön, dass wir den ganzen Tag weiter durch das Tal hätten laufen können.

Haben wir schon erwähnt, dass wir an diesem Tag wirklich viele Murmeltiere gesehen haben? Eine Auswahl unserer schönsten Fotos von und mit den Nagern findet ihr hier. Manche Exemplare waren absolut nicht scheu, andere wiederum so gut getarnt, dass wir sie erst auf den zweiten Blick erspähen konnten. Auch in der Fotowand oberhalb dieses Abschnitts haben sich noch zwei der Tiere - zumindest die uns aufgefallen waren - versteckt. Habt ihr beide gefunden?

Nachdem wir abermals durch einen Fluss gewatet waren, grummelte uns dann aber doch so langsam der Magen. Wo blieb nur diese Hütte? Tatsächlich erblickten wir das ersehnte Gebäude erst eine Viertelstunde vor Erreichen. Im Hintergrund tauchte imposant der Großglockner auf und wir ließen uns nieder zu einer leckeren Brettljause, Kaiserschmarrn und zwei erfrischend kühlen Radlern auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf seine Majestät. Sogar die Erzherzog-Johann-Hütte, auch „Adlersruhe“ genannt, auf 3454 Metern Höhe konnten wir deutlich erkennen. Wenn ihr uns fragt, war die Salmhütte das wahre Gasthaus Glocknerblick.

Gegen zwei Uhr nachmittags war die Hütte beim Blick zurück längst wieder zu einem winzigen Punkt zusammengeschrumpft. Wir folgten dem Kärntner Grenzweg Richtung Glocknerhaus - und was für ein atemberaubender Weg das war. Unterhalb der einschüchternden Wände von Schwerteck und Schwertkopf zog sich ein oft beängstigend schmales Band zumeist auf gleicher Höhe am Hang entlang, und bot eindrucksvolle Tiefblicke hinab ins Leitertal. Zwei knackige Anstiege und eine seilversicherte Passage später erreichten wir das letzte Zwischenziel: Die Obere Stockerscharte auf 2501 Metern Höhe.

Wir hielten kurz inne und saugten das imposante Panorama auf. Unter uns der türkisblaue Stausee, darüber das winzig anmutende Glocknerhaus, im Hintergrund die Hochalpenstraße mit dem monströsen Parkhaus am Ende, sowie die Pasterze. Lediglich die Glocknerspitze versteckte sich hartnäckig in den Wolken, was unserer Stimmung aber keinen Abbruch tat. Was ein Höhepunkt für den heutigen Tag. Doch es half alles nichts, wir mussten weiter, hatten wir doch noch eine letzte Etappe zurück zum Camper vor uns.

Traurig, erschreckend und absurd

Der serpentinenartige Abstieg hielt ein letztes, gut gespurtes Schneefeld parat, war ansonsten aber nicht von besonderen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Unweit der Staumauer trafen wir auf die Kreuzung von morgens und stellten uns mental auf den letzten knackigen Anstieg nach der Staumauer zurück zum Glocknerhaus ein. Wir kamen dort gegen fünf Uhr nachmittags an und entschieden kurzfristig, doch noch einen Blick auf den Gletscher von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus zu riskieren, da wir die Maut ja ohnehin bezahlt hatten. Gesagt, getan und nahezu sofort bereut.

Zwar hatten wir es von oben bereits geahnt, doch aus der Nähe betrachtet fanden wir das vierstöckige Parkhaus zusammen mit dem Besucherzentrum noch abstoßender. Glücklicherweise war um diese Uhrzeit nicht mehr allzu viel los. Die in den 60er Jahren eröffnete Bergbahn - damals noch zum Rand der mittlerweile zurückgegangenen Gletscherzunge führend - hatte bereits geschlossen, doch wollten wir ohnehin nur schleunigst wieder weg von diesem dem Massentourismus geopferten Ort. An Absurdität nicht zu überbieten fanden wir eine Infotafel, auf der das Engagement von Albert Wirth gewürdigt wurde, der bereits 1918 den hiesigen Naturpark begründete und sich beispielsweise massiv gegen den Bau geplanter Seilbahnen einsetzte. Er würde vermutlich im Grabe rotieren, wenn er all das hier sehen könnte. Traurig!

Wir entschieden uns endgültig gegen eine Wanderung auf dem Pasterzenweg. Die grandiose heutige Tour sollte der krönende Abschluss unseres Besuchs im Mölltal bleiben. Schnell kehrten wir zurück zum Campingplatz, checkten zwecks frühzeitiger Abreise am Folgetag vorsorglich schon mal aus, verabschiedeten uns von den Nachbarn und genossen eine letzte ruhige Nacht an diesem wirklich idyllischen Ort. Unser nächstes Ziel waren die sogenannten Lienzer Dolomiten, die eigentlich ein Teil der Gailtaler Alpen waren. Was wir dort an teilweise sehr spontan geplanten, mannigfaltigen Abenteuern erlebten, folgt in Kürze im dritten Teil von "Das ist Österreich?"...

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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas (Dienstag, 07 September 2021 20:41)

    Sehr schöne Wege habt ihr da beschritten!
    Und wie mir scheint seid ihr beiden Schneehasen allererster Güte, so viele Schneefelder wie ihr begangen habt.

  • #2

    Bernd (Mittwoch, 08 September 2021 07:23)

    Danke, Andreas. Schneehasen eher unfreiwillig, aber was willste machen? ;)