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Das ist Österreich? Teil 3: Lienzer Dolomiten

Nachdem wir euch bereits von unseren Erlebnissen im Malta- und Mölltal erzählt haben, nehmen wir euch nun mit auf ein Abenteuer in die Lienzer Dolomiten und deren wunderschöner Umgebung. Was darf es sein: Ein Bad im Eissee, Canyoning mal andersrum oder doch schwindelerregende Klettersteig-Erfahrungen? Haben wir für euch. Das Ganze ist - dank Glückskinderbonus - wie immer gespickt mit traumhaften Aussichten bei meist herrlichem Wetter.

Zur Erinnerung: Im Mölltal verbrachten wir sechs wunderbare Tage, erklommen mit Mohar und Jöchlkopf zwei herrliche Aussichtsgipfel, besuchten das märchenhafte Zirknitztal, sowie die nicht nur kulinarisch, sondern auch von der Lage her exzellente Noßberger Hütte, den imposanten Jungfernsprung und drehten eine große Runde vom Glocknerhaus durchs zauberhafte Leitertal über die Salmhütte (samt Glocknerblick), den Kärtner Grenzweg und die Stockerscharte mit Aussicht auf die Pasterze wieder zurück. Am liebsten würden wir direkt wieder loslaufen.

Welches Törl darf es denn sein?


Mit dem Gefühl „alles“ Relevante vom Mölltal gesehen zu haben - bitte beachtet die Anführungszeichen - machten wir uns am Dienstagmorgen zeitig auf den Weg. Kurz vor neun Uhr erreichten wir über eine im letzten Drittel wieder recht abenteuerliche, jedoch mautfreie Bergstraße den Wanderparkplatz Klammbrückl in den Lienzer Dolomiten (eigentlich ein Teil der Gailtaler Alpen) in der Nähe der Gallitzenklamm. Es war leicht bewölkt, aber ansonsten trocken. Wir blickten die tief eingeschnittenen Felsen hinab in die Klamm und fühlten uns ans Soča-Tal in Slowenien erinnert.

Der anschließende Steig führte steil bergauf und wenig ansprechend überwiegend durch den Wald. Alternativ hätten wir den Serpentinen der Forststraße folgen können, doch das wäre noch langweiliger gewesen. Als der Wald lichter wurde, hatten wir eine tierische Begegnung mit einem tiefschwarzen Alpensalamander - ein abgefahrenes Lebewesen. Wir kamen am Zustieg zum derzeit gesperrten Klettersteig „Verborgene Welt“ vorbei und fanden uns kurz darauf in einer riesigen, von einer Schneelawine bedeckten Rinne wieder.

Ohne Ausrüstung fühlten wir uns nicht sonderlich wohl, den unangenehm steilen Hang im Schnee erklimmen zu müssen. Noch dazu war absolut nicht zu erkennen, wo der Weg entlang führte. Glücklicherweise war vor uns eine offenbar ortskundige Gruppe Bergsteiger unterwegs, die - teils ebenfalls laut über den Schnee fluchend - eine Spur zogen, der wir folgen konnten. Einige Höhenmeter weiter oben winkte der Gruppenführer netterweise und zeigte uns die Abzweigung an. Vielen Dank an dieser Stelle. Ohne die unverhoffte Hilfe wären wir womöglich umgekehrt. Kurz nach besagtem Abzweig weitete sich das Almtal allmählich und wir erreichten am späten Vormittag unser erstes Etappenziel, die schnuckelige Kerschbaumeralm Hütte auf 1902 Metern Höhe, wo wir uns eine leckere Suppe und ein kühles Getränk gönnten. Herrlich!

Nicht mit den Schuhen

Von hier wollten wir eigentlich zum Hallebachtörl aufsteigen, optional den Spitzkofel erklimmen und anschließend durchs Hallebachtal zurück zum Auto absteigen. Wegen des Schnees waren wir uns aber unsicher und fragten vorsichtshalber die Hüttenwirtin um Rat. Nach skeptischem Blick auf unsere Füße antwortete sie trocken: „Nicht mit den Schuhen“ und empfahl uns über das gegenüberliegende Kerschbaumertörl - mit optionalem Abstecher über die Karlsbader Hütte - zur Dolomitenhütte, und von dort via Franz-Lerch-Weg zurück zum Klammbrückl abzusteigen. Eine deutlich längere Runde, doch lagen wir ja noch gut in der Zeit und das Wetter sollte auch halten.

Wir nahmen uns den Rat zu Herzen, durchquerten in entgegengesetzter Richtung den Kessel und folgten einem steilen Pfad bergauf, unterhalb der Großen und Kleinen Gamswiesenspitze vorbei, zu der auf 2283 Metern Höhe gelegenen Scharte. Währenddessen genossen wir immer wieder den wundervollen Blick zurück ins Tal, nur um kurz darauf von der noch prachtvolleren Aussicht ins Nachbartal fast weggeblasen zu werden - vielleicht war es auch der Wind im Törl. Es war mittlerweile früher Nachmittag, daher gönnten wir uns nur eine kurze Verschnaufpause, bevor wir auf der gegenüberliegenden Seite wieder bergab stiegen.

Schon nach wenigen Höhenmetern erblickten wir die Karlsbader Hütte, die im strahlenden Sonnenschein so einladend wirkte, dass wir beschlossen, dort auf einen Kaffee vorbeizuschauen. Die Aussicht beim Abstieg war derart grandios, dass wir Schwierigkeiten hatten, nicht vor lauter „Hanns Guck-in-die-Luft“ auszurutschen. Ein Schneefeld später erreichten wir gegen drei Uhr nachmittags die Hütte und gönnten uns mit Blick auf einen kleinen Eissee einen leckeren Kaiserschmarrn zur Kaffeepause.

Experiment Eisseebad vertagt

Auf unserer Wunschliste für die nächsten Tage stand eigentlich der Panoramaklettersteig, doch wurde uns von der Bedienung bestätigt, was wir schon vermutet hatten: Noch nicht begehbar, zu viel Schnee. Den Laserz-Klettersteig könnten wir machen. D-Schwierigkeit an einer fast senkrechten 400 Meter-Wand? Danke, aber nein danke. Wir würden noch mal recherchieren. Vor Antritt des Rückwegs besuchten wir noch schnell den Laserzsee hinter der Hütte. Was für ein phänomenaler Anblick: Zahlreiche Eisschollen drifteten langsam umher, während sich an den freien Stellen die Bergkette auf der Wasseroberfläche spiegelte.

Ein paar Mutige nutzten das sonnige Wetter und nahmen ein extrem erfrischendes und ebenso kurzes Bad. Da Nacktbaden nicht so unser Ding ist, beschlossen wir, für den nicht unwahrscheinlichen Fall eines Zweitbesuchs das Experiment Eisseebaden fest einzuplanen. Für heute hatten wir aber genug gesehen und machten los über den Steig Richtung Tal. Den alternativen Fahrweg überließen wir den Mountainbikern. Stattdessen folgten wir dem Laserzbach im Antlitz der Karlsbader Hütte und verließen bald den malerischen oberen Talkessel.

Der Abstieg wurde steiler und führte durch lichten, oft ebenfalls von Bruch gekennzeichneten Wald hinab zu einer kleinen Gedenkkapelle, von der aus wir über den Forstweg innerhalb von einer knappen halben Stunde schließlich die imposant auf einer Klippe thronende Dolomitenhütte erreichten. Doch für eine weitere Pause blieb keine Zeit, da immer noch eine gute Stunde Abstieg, sowie die abenteuerliche Fahrt zum Campingplatz auf uns wartete.

Zehn Stunden frische Luft

Beim Parkplatz unterhalb des Gasthauses entdeckten wir einen Wegweiser mit der Aufschrift „Rudl Eller Weg zur Karlsbader Hütte, teilweise Seilversicherung - nur für Geübte!“ Den würden wir uns merken… An der nächsten Kreuzung bogen wir unter den Augen ein paar gemütlich im Gras liegender Kühe links ab Richtung Amlach und Goggsteig. Wir warfen einen letzten Blick auf die Berge, ließen den bisherigen Weg Revue passieren und wanderten den teils knackig steilen Waldweg, der gegen Ende noch ein paar Holzbefestigungen zur Abwechslung bereit hielt, zurück zum Wanderparkplatz.

Nach rund zehn Stunden an der frischen Luft erreichten wir den Camper, befreiten unsere Füße aus unseren Wanderschuhen und -socken und tuckerten gemütlich und zum Glück ohne Gegenverkehr runter ins Tal. Wir fuhren weiter zum Campingplatz Falken am Stadtrand von Lienz, wo wir uns ein gemütliches Plätzchen bei den Zeltplätzen aussuchen durften. Dreimal dürft ihr raten, wohin die Campingplatz-Katze kam... Aufmerksame haben das auflösende Foto zu Beginn dieses Artikels bestimmt schon wahrgenommen. Bei einer kurzen Recherche ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Über diesen Rudl-Eller-Weg zum Klettersteig auf den Simonskopf und danach zur Karlsbader Hütte? Das klang nach einem Plan. Hoffentlich würde das Wetter mitspielen…

Canyoning mal andersrum


Für die kommenden beiden Tage war wechselhaftes Wetter vorhergesagt worden, wobei unsere Füße nach den gestrigen knapp zwanzig Kilometern und gut 1300 Höhenmetern ohnehin etwas Ruhe gebrauchen konnten. Wer Teil 1 gelesen hat, ahnt vielleicht schon, was nun kommt: Richtig, ein Klettersteig! Genau genommen sogar zwei… Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir ins Dörfchen Unterpirkach zur Pirknerklamm um dort quasi umgekehrtes Canyoning zu betreiben. Hoffentlich würde der hiesige Wasserstand nicht wieder zu hoch sein...

Wir parkten bei der Bachbrücke und liefen linksseitig flußaufwärts zum Zustieg. Vom Pegel her sah alles gut aus und auch das Wetter spielte mit. Am Einstieg nahe einer alten Mühle legten wir unsere Ausrüstung an und bemerkten eine Werbetafel für den nahegelegenen Millnatzenklamm-Klettersteig. Sicherlich eine Option, falls wir im Anschluss noch nicht genug haben würden. Trotz der Übung an der Kölnbreinsperre war Marion immer noch etwas skeptisch wegen der angegebenen Schwierigkeit bis C. Doch beim Anblick der ersten Felsblockpassage, sowie einer an mit Trittstiften versehenen Bachwand entlang laufenden Traverse war klar: Der Steig war top gesichert und sollte uns vor keine allzu großen Probleme stellen.

Insgesamt galt es 250 Höhenmeter zu überwinden. Der Steig wurde offensichtlich häufiger begangen, waren einige Stellen doch schon ziemlich glatt getreten. Immer wieder hielten wir inne, um die herrliche Aussicht auf die unter uns rauschende und in der Sonne glitzernde Pirkach zu genießen. Ein paar anspruchsvollere Stellen sowie diverse Seilbrücken später erreichten wir das erste Wehr. In der Gischt des dortigen Wasserfalls zeigte sich sogar kurz ein Regenbogen. Gerade, als wir das Wehr erklimmen wollten, machte dummerweise der Akku unserer Helmkamera schlapp, daher fehlt leider der darauf folgende, finale Abschnitt im Video.

Fortsetzung unter erschwerten Bedingungen

Nach der Anlage ging es etwa 200 Meter den Fluss entlang auf der Suche nach einer geeigneten Querung, bevor eine letzte kurze Passage zum Ausstieg bei einem zweiten Wehr führte. Von dort stiegen wir über einen steilen Waldweg hinab zum Camper. Noch immer euphorisiert von diesem spannenden Abenteuer in traumhafter Kulisse entschieden wir, nach Liesing ins Lesachtal zu fahren, um den dortigen Millnatzenklamm-Klettersteig zu gehen. Hätten wir bloß vorab auf die zugehörige Webseite gesehen, denn dieser war dummerweise noch gesperrt. Nun gut, so erlebten wir wenigstens eine Panoramafahrt durch das malerische Tal.

Trotzdem waren wir enttäuscht, da wir wirklich heiß auf eine Fortsetzung des vormittäglichen Spaßes waren. Aber das Gute liegt ja bekanntlich oft so nah: Eine schnelle Recherche später düsten wir zurück zur Gallitzenklamm unweit unseres Campingplatzes, wo es ganze fünf Klettersteige zur Auswahl gab. Da wir schon eine Klamm hinter uns hatten, entschieden wir uns für die 400 Meter Höhenmeter des Klettersteigs „Endorphin“ mit Schwierigkeitsgrad C, dessen Highlight eine sechs Meter lange, extrem ausgesetzte Leiter sein sollte. Ob das wirklich eine gute Idee war?

Schon beim Zustieg zwischen den gegen Steinschlag aufgespannten Stahlzäunen war uns etwas mulmig zumute. Die ersten Passagen waren vom Schwierigkeitsgrad dann auch gleich deutlich knackiger, als am Vormittag in der Pirknerklamm. Hinzu kam später natürlich die Höhe. Während wir in der Schlucht selten mehr als zehn Meter über dem Wasser unterwegs waren, ging es hier bald richtig tief hinab. Rational mag das vielleicht keinen Unterschied machen, psychologisch war es für uns aber hin und wieder eine enorme Herausforderung. Spätestens bei der Stelle mit der Leiter könnt ihr das deutlich in Bernds Gesichtsausdruck ablesen. Faszinierend, wie eine körperlich simple Klettereinlage einem plötzlich so schwer fallen kann…

Zweimal zu früh gefreut

Kurz nach der Leiter dann zunächst große Freude: Wir hatten es geschafft - dachten wir zumindest. In Wahrheit hatten wir gerade mal den Notausstieg auf etwa halber Höhe erreicht. Aufgeben war aber irgendwie auch keine Option, selbst wenn wir mittlerweile spürten, wie dieser Aufstieg auch konditionell seinen Tribut forderte. Zähne zusammenbeißen und weiter ging es. Selbst wenn die zweite Hälfte noch die ein oder andere durchaus anspruchsvolle Kletterstelle, sowie eine kurze, schmale Brücke parat hielt, empfanden wir sie insgesamt als etwas einfacher. So oder so waren wir am Ende aber heilfroh, endlich bei der Bank am Ausstieg angekommen zu sein.

Jetzt nur noch gemütlich zurück ins Tal und an der Jausenstation ein wohlverdientes, kühles Blondes trinken. Pustekuchen. Von wegen „gemütlich“. Wer lesen kann (in diesem Fall die Beschreibung) ist klar im Vorteil. Auch im Abstieg mussten wir immer mal wieder in den Klettermodus schalten. Glücklicherweise handelte es sich aber um Stellen mit einer maximalen Schwierigkeit von B und es folgten auch keine weiteren Überraschungen mehr. Gut eineinhalb Stunden nach Start erreichten wir wieder die Infotafel am Einstieg und waren stolz wie Oskar. Das Bier hatten wir uns jedenfalls redlich verdient!

Unser Timing konnte kaum besser sein. Ein erster Schauer zwang uns unter die Überdachung der Gaststätte. Gut, dass wir nicht mehr in der Wand hingen. Zurück am Campingplatz zogen mittlerweile bedrohlich graue Wolken auf. Wir holten uns eine Pizza im benachbarten Dolomitencafe und erreichten gerade noch rechtzeitig vor dem durchziehenden Unwetter wieder unseren Bus. Gegen acht Uhr war der Spuk vorüber und wir konnten im Schein der Abendsonne gemütlich den Tag Revue passieren lassen. Das Adrenalin war glücklicherweise längst abgeklungen.

Böses Weibele in zwei Anläufen


Während uns der nächste Morgen noch mit herrlichem Sonnenschein begrüßte, sah die Vorhersage für den heutigen Donnerstag eher traurig aus. Zwar gibt es kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, aber sind wir doch mal ehrlich: Eine Bergtour ohne Aussicht ist nur halb so schön. Trotzdem hatten wir eine kurze Tour von der Hochsteinhütte aufs Böse Weibele geplant.

 

Nach einem gemütlichen Frühstück mit frischen Brötchen aus dem gut bestückten Minimarkt des Campingplatzes fuhren wir hoch zum Parkplatz. Glückskinderbonus: Für uns war die Benutzung der Straße heute mautfrei: Der Kassenautomat war defekt. An der Schranke wurden wir von ein paar Arbeitern dankenswerterweise durchgewunken.

Als wir gegen neun Uhr unseren Startpunkt erreichten, hatte es sich schon ziemlich zugezogen. Wir folgten einem breiten Almweg etwa zehn Minuten bis zur Hochsteinhütte. Trotz der Wolkendecke genossen wir traumhafte Ausblicke auf den Lienzer Talboden. Eine weitere Viertelstunde später erreichten wir das Kreuz des Hochsteins. Über den Gipfel des Bösen Weibeles zog ein Regengebiet direkt auf uns zu. Da hier keinerlei Unterstellmöglichkeit zu erkennen war, beschlossen wir kurzerhand, auf einen Kaffee zur Hochsteinhütte zurückzukehren.

Perfektes Timing: Die Hütte hatte seit zehn Uhr, also erst kurz vor unserer Ankunft, geöffnet. Am Nebentisch fachsimpelte eine Gruppe Männer über einen geplanten Mountainbike-Trail. Spannend, einmal die unterschiedlichen Befindlichkeiten und Argumente mitzubekommen. Nach einer halben Stunde war der Regenschauer vorüber und wir setzen zum zweiten Anlauf an. Zwar wirkte das Wetter noch immer nicht einladend, aber zumindest sollten wir es trocken auf den 2521 Meter hohen Gipfel schaffen.

Pack die Badehose ein?

Irgendwie herrschte bei diesem Wetter eine ganz eigene Stimmung. Mal konnten wir fast nichts erkennen, mal bis hinüber zur Karlsbader Hütte blicken. Immer wieder sorgten die Wolken für besonders dramatisch wirkende Aussichten während des gemächlichen Aufstiegs über das Almgebiet. Etwa im letzten Drittel wurde das Gelände schrofiger und etwas steiler. Zwei Stunden nachdem wir die Hochsteinhütte verlassen hatten, beobachteten wir vom Gipfelkreuz aus das Wolkenspiel, ließen unsere Blicke über Puster- und Iseltal schweifen und versuchten den Großglockner und die Venedigergruppe ausfindig zu machen. Letzteres jedoch ohne Erfolg.

Eine halbe Stunde später machten wir uns auf den Rückweg. Da sich das Wetter stabilisiert hatte, entschieden wir uns für den etwa eine Stunde länger dauernden Abstieg über Ehrenwiese und Pustertaler Almweg. Was sollen wir sagen, richtige Entscheidung: Je länger wir unterwegs waren, desto mehr blauer Himmel spitzte zwischen den Wolken hervor und desto traumhafter wurden die Aussichten auf die Lienzer Dolomiten, so dass wir noch ein spontanes Päuschen einlegten, nur um das Schauspiel zu genießen.

Anschließend folgten wir dem zwischenzeitlich steiler gewordenen Wiesensteig vorbei an einer Herde Schafe und entlang einer Geländekante bis zur Baumgrenze, bevor es über die Almen zurück Richtung Parkplatz ging. Auf dem Weg inspirierte uns ein Pilz, der aus einem vertrocknetem Kuhfladen wuchs, zu folgender Beobachtung:

 

Selbst aus Mist wächst neues Leben. Daher lasst euch niemals unterkriegen!

 

Unter diesem Motto erreichten wir trockenen Fußes den Camper, legten auf dem Heimweg einen Zwischenstopp im Supermarkt zum Aufstocken unserer Vorräte ein und genossen einen angenehm sonnigen Abend. Die Wettervorhersage für den Folgetag stand ganz klar im Zeichen von „Pack die Badehose ein“…

Eiskalte Leidenschaft


Schon im Mölltal erlebten wir am letzten Tag unseres Besuchs die für unseren Geschmack schönste Tour und auch dieser Morgen fühlte sich sehr danach an, als könnte die heutige Runde unser persönliches Highlight in den Lienzer Dolomiten werden. Wir starteten sehr früh bei strahlend blauem Himmel in Richtung Tristach. Von dort aus ging es über die mautpflichtige, dafür vollständig asphaltierte und gut ausgebaute Straße hinauf zum Parkplatz unterhalb der Dolomitenhütte. Gegen kurz vor acht starteten wir auf dem Rudl-Eller-Weg. Anfangs noch durch den Wald, ging es bald steil einen seilversicherten, felsigen Hang hinauf. Genau unser Ding!

Wenig später tat sich eine sattgrüne Almwiese vor uns auf. Im Hintergrund konnten wir die mächtige Laserzwand sehen, die uns schon drei Tage zuvor beeindruckt hatte. Weiter rechts ragte der Simonskopf - unser heutiges Ziel - empor. Wir überquerten die Alm und es ging weiter aufwärts bis zum Hexenlackel, einem einsamen Felsblock mitten auf einer Lichtung. Wir wanderten über die Bromachnocke auf 2100 Metern Höhe, hinter der es kurz bergab zum Insteintörl und anschließend durch eine seilversicherte Rinne wieder steil nach oben ging.

An einer Kreuzung überlegten wir kurz die Piccola Ferrata über die Zillinköpfe mitzunehmen, entschieden uns aber dagegen, da uns der Klettersteig auf den Simonskopf für heute reichen würde. Stattdessen folgten wir dem restlichen, durchaus kräftezehrenden Aufstieg über loses Geröll bis zum Hohen Törl auf 2233 Metern Höhe, wo wir mit einer sagenhaften Aussicht in den uns schon bekannten Talkessel rund um die Karlsbader Hütte belohnt wurden. Ein Traum!

Auf Heinz Sielmanns Spuren

Im Schatten der wuchtigen Ostseite der Laserzwand stiegen wir etwa hundert Höhenmeter hinab, passierten dabei den Einstieg zum Laserzklettersteig und standen kurze Zeit später am Fuß des gerölligen Aufstiegs zum Kerschbaumertörl. Den waren wir ja bereits in umgekehrter Richtung gegangen und wussten deshalb in etwa, was uns erwartete. Zu unserer Verwunderung brauchten wir gerade mal eine halbe Stunde bis nach oben, lagen also ein ganzes Stück vor unserem gesetzten Zeitplan. Daher konnten wir uns eine ausgiebige Pause gönnen, während der wir uns unverhofft in Heinz Sielmanns Fußstapfen wiederfanden...

In der Senke unter uns kabbelten sich zwei Murmeltiere. Wir können nicht beurteilen, ob es sich hierbei um Spiel, Balz oder doch um einen Revierkampf handelte, wollten euch das entstandene Video aber nicht vorenthalten. Entschuldigt das Gewackel, aber nach dem vorherigen Aufstieg war ohne Stativ und mit maximalem Zoom mit der kleinen Point&Shoot-Kamera trotz Bildstabilisierung kein ruhigeres Bild mehr drin.

Eine gute halbe Stunde später waren wir schon wieder unterwegs Richtung Gipfel. An der Kerschbaumertörlspitze vorbei ging es hoch auf einen Grat, von dem aus wir einen traumhaften Blick zur Karlsbader Hütte und die umliegenden Berge genossen. Allerdings bereitete uns der Schnee im Kessel zwischen Simonskopf und Teplitzer Spitze Sorgen. Von hier sah es nicht so aus, als ob ein Durchkommen möglich wäre. Wir beschlossen das übliche Vorgehen: Mal sehen, wie weit wir kommen, zur Not wird eben umgedreht.

Nach dem Grat kämpften wir uns Stück für Stück den steilen Geröllhang hinauf, immer wieder den teils sehr weichen Schnee querend. Irgendwann war kein Weg mehr zu erkennen und uns die Gefahr, 50 Meter oder mehr in den Kessel zu rutschen, doch zu groß. Als ob sie unsere Erkenntnis unterstreichen wollten, zogen über dem Simonskopf kurzzeitig ein paar dicke, graue Wolken auf - der Zeitpunkt zum Umkehren war gekommen. Als Trostpflaster gab es einen herrlichen Talblick auf dem Weg zur Karlsbader Hütte. Wir hatten dort ja ohnehin noch ein Date…

Eisseebad und nasse Füße

Nach einer kleinen Stärkung auf der Hütte spazierten wir zum Laserzsee, der im strahlendem Sonnenschein leuchtete. Zum Teil waren die Eisschollen schon geschmolzen, aber warm konnte das Wasser noch lange nicht sein. Egal. Wir hatten es uns vorgenommen, also nicht lange nachdenken. Marion legte vor und schwamm sogar eine kurze Runde. Bernd war als zweiter dran. Ein irres Erlebnis und ein verrücktes Gefühl, insbesondere wenn man sich im Nachgang in der Sonne trocken lässt und alles zu Kribbeln beginnt. Die Nordsee hat dagegen ohne jeden Zweifel Südseecharakter.


Mehr als erfrischt umrundeten wir im Anschluss noch den See und konnten uns kaum sattsehen an diesem fantastischen Anblick. Nicht mehr auf dem Schirm hatten wir dagegen den dortigen Mini-Klettersteig „Wet Foot“ an einer Wand direkt oberhalb der Wasseroberfläche entlang. Während Marion genug Action für heute hatte und sich lieber aufs Schießen der Fotos konzentrierte, gönnte sich Bernd den Spaß - selbstverständlich ohne sich nasse Füße zu holen.

Auf zum Abschluss in Osttirol

Gegen vier Uhr nachmittags konnten (und mussten) wir uns dann endlich „loseisen“ und begaben uns auf den Rückweg. Über den bereits bekannten Abstieg entlang des Laserzbachs, vorbei an der Gedenkkapelle und zum Schluss über den Forstweg kehrten wir zur Dolomitenhütte zurück. Auf der dortigen Aussichtsterrasse genehmigten wir uns mit Blick auf das Bergpanorama ein leckeres Abendessen und verabschiedeten uns von den wundervollen Lienzer Dolomiten.

Zurück am Campingplatz bereiteten wir noch die morgige Tour und unsere Abreise vor, bevor wir mit den Gedanken an die fantastischen Eindrücke und faszinierenden Erlebnisse an diesem Tag müde ins Bett fielen. Mit Kals am Großglockner und Hinterbichl im Virgental standen noch zwei weitere Stationen auf unserem Programm. Auf dem Weg nach Kals hatten wir zudem einen Besuch auf der von Christian empfohlenen Hochschoberhütte eingeplant (Leser von Teil 2 erinnern sich vielleicht...). Alles darüber erfahrt ihr in „Das ist Österreich? Teil 4: Osttirol*“

* Uns ist durchaus bewusst, dass die Lienzer Dolomiten ebenfalls zu Osttirol gehören, aber so ergab sich einfach eine bessere Aufteilung der Artikel…

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